HH: Am Freitag Prozess gegen Kieler Genossen

Am 2. Juni 2012 wurde in Hamburg-Wandsbek ein Neonaziaufmarsch unter dem Motto „Tag der deutschen Zukunft“ von viereinhalbtausend Polizist_innen trotz eines vehementen Widerstandes von bis zu 10.000 Antifaschist_innen durchgesetzt. Blockaden der Aufmarschroute der Neonazis von mehreren tausend antifaschistischen Aktivist_innen, zu welchen das Hamburger Bündnis gegen Rechts (HbgR) sowie das autonome-antifaschistische Bündnis “Keine Zukunft für Nazis” aufgerufen hatten, wurden von der Polizei mit all ihr zur Verfügung stehenden Mitteln angegriffen um dem rechten Auflauf eine möglichst störungsfreie Demonstration zu ermöglichen. Über sechshundert Antifaschist_innen wurden zu diesem Zwecke über mehrere Stunden in einem Polizeikessel ohne Zugang zu medizinischer Versorgung, Wasser oder Toiletten festgehalten. Im gesamten Tagesverlauf verletze die Polizei zielgerichtet zahlreiche Demonstrant_innen. Das Versammlungsrecht für Antifaschist_innen wurde am 2. Juni faktisch polizeilich unterbunden – hingegen der Neonaziaufmarsch mit aller Gewalt durchgeprügelt.

Knapp ein Jahr nach den Ereignissen des 2. Juni 2012 erhielt ein Kieler Antifaschist von der Hamburger Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl. Er soll am frühen Abend des 2. Juni am Hamburger Hauptbahnhof einen Polizeibeamten attackiert und leicht verletzt haben. Anders als in dieser auf der Darstellung der beteiligten Polizisten beruhenden Behauptung, war es der nun Angeklagte, der bei diesem Ereignis von Bundespolizisten niedergeschlagen sowie verletzt und anschließend festgenommen wurde.
Der Angeklagte wird den Stafbefehl nicht akzeptieren, nicht einfach zahlen. Es wurde Widerspruch gegen den Strafbefehl eingelegt, am Freitag den 26.07.13 um 9.00 Uhr findet die Hauptverhandlung am Hamburger Amtsgericht St. Georg statt. Anlässlich dieser kündigen antifaschistische und Antirepressions-Gruppen einen Solidaritätsspaziergang zum Gericht an, der um 8 Uhr auf dem Hachmannplatz am Hamburger Hauptbahnhof beginnen wird und rufen zur kritischen Begleitung des Prozesses auf.
Die Intention hinter der Führung des Prozesses ist es, nach Ereignissen wie dem Polizeieinsatz am 2. Juni 2012 in Hamburg populistische Auswürfe wie z.B. die der DpolG (Deutschen Polizeigewerkschaft) Hamburg, die noch am selben Tag in einer Pressemitteilung für drastische Strafen durch die Justiz plädiert und keinen Kuschelkurs mit Antifaschisten einforderte, nachdem sie vorher von einem von randalierenden Antifaschisten verwüstetem, gar in Schutt und Asche gelegtem Standteil Wandsbek halluziniert und dem besonnenen [!] Einschreiten der Polizei dankt, nicht unwidersprochen im Raum stehen zu lassen.
Die Entscheidung, den Strafbefehl nicht zu akzeptieren bedeutet in erster Linie, den entsprechenden Instanzen, also der Gerichtsbarkeit, etwas mehr Mühe abzuverlangen, wenn sie Antifaschist_innen verurteilen möchten, und sich in einer Hauptverhandlung als politische Justiz zu positionieren. Gleichwohl ist diesem Entschluss übergeordnet der Wille, den Kampf um die Deutungshoheit der Geschehnisse am 2. Juni 2012 in Hamburg zu führen.

Nachbetrachtung zur Veranstaltung „Aufstieg des Neo-Faschismus? Griechenland in der Krise“

Im Folgenden dokumentieren wir einen kurzen Bericht unserer Genoss_innen der Kampagne „Solidarität mit dem antifaschistischen Kampf in Griechenland“ zu der Veranstaltung „Aufstieg des Neo-Faschismus? Griechenland in der Krise“, die am 3.3. in der Hansa48 stattfand. Allen die nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnten, sei der Audiomitschnitt aus Berlin zu empfehlen, wo die Genoss_innen Ende Februar referierten.
„Unsere Veranstaltung in Kiel fand in der Hansa48 bei Kaffee und Kuchen am Sonntag Nachmittag statt. Der Raum war mit fast 50 Leuten sehr gut gefüllt, dementsprechend kam es nach dem Vortrag zu zahlreichen Rückfragen und Diskussionsbeiträgen. Es gab zum einen eine kritische Nachfrage bzgl. der Bezeichnung der Militär-Junta als neo-faschistisch. Unserer Ansicht nach geht es in dieser Frage um Funktionalität für Eigentumsverhältnisse und bürgerliche Herrschaft und weniger um einzelne Charakteristika wie Massenbasis und/oder Führerstruktur etc. Viele Rückfragen gab es bzgl. einer Möglichkeit der Kooperation zwischen den verschiedenen antikapitalistischen Bewegungen in Griechenland zur Abwehr der neo-faschistischen Gefahr.Hier machten wir klar, dass es sehr schwierig für die verschiedenen Fraktionen in Griechenland ist, gemeinsame Nenner zu finden. Eine interessante Rückfrage war auch ob und wie die von uns besuchten Gruppen der deutschen radikalen Linken Position bezogen zu einer bestimmten Organisation/Bewegung in Griechenland. Wir verdeutlichten, dass es für viele Gruppen schwierig war, ihre eigene Position in die der griechischer Organisationen/Bewegungen zu übersetzen, daher waren die Bezugnahmen unabhängig vom jeweiligen Spektrum eher verhalten. Andere Rückfragen gab es in Bezug auf unsere Perspektive des antifaschistischen anstelle des revolutionären Kampfes.“
Aktuelle Infos zur Situation in Griechenland:
antifagriechenland.blogsport.de | gcr.blogsport.de | blog.occupiedlondon.org | athens.indymedia.org

Hausdurchsuchungen gegen AntifaschistInnen in Hamburg und Buchholz

Wir dokumentieren eine Erklärung Hamburger AntifaschistInnen vom 22.11.2012:
Heute Morgen um 6 Uhr wurden zwei Wohnungen von Antifaschist_innen in Hamburg und eine in Buchholz durchsucht. Bei einer weiteren Wohnung in Buchholz wurde niemand angetroffen. Nach ersten Informationen wurden auch Räume durchsucht, für die die Bullen keine „rechtliche Befugnis“ hatten. In dem laufenden Verfahren werden die Genoss_innen des gemeintschaftlichen schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung beschuldigt. Die Bullen beschlagnahmten einige Sachen. Dieses Vorgehen reiht sich ein, in die Tatsache mit welch einer kontinuierlich, präzisen Gründlichkeit seitens der Repressionsorgane heute und in der Vergangenheit, hier und in anderen Städten gegen Antifaschist_innen vorgegangen wird.
Als wäre dies nicht schon genug, werden aktive Anitfaschist_innen und Genoss_innen wie Deniz K. zu zweieinhalb Jahren Knast verurteilt, weil sie sich radikal für eine bessere Gesellschaft einsetzen. Wir betrachten dies nicht alleine als Angriff auf einzelne, sondern als Angriff auf autonome antifaschistische Strukturen.
Die Morde des NSU und die Deckelung und Unterstützung durch die Bullen und Geheimdienste ist für uns die hässliche Spitze des deutschen Eisbergs der letzten zehn Jahre. Wir sehen in den rassistischen Anschlägen von Solingen, Mölln und Rostock, dem Mord an Silvio Meier und der Pogromstimmung in Wolgast die widerliche Kontinuität der deutschen Verhältnisse, die es für uns gilt anzugreifen.
Gerade durch die Aufdeckung der Verstrickung des Staates in die Taten des NSU und durch das Herunterspielen der rassistischen Zustände in Wolgast – die an Rostock erinnern – kann die Antwort nur konsequenter Antifaschismus heißen. Diese Zustände zeigen, dass wir in unserem Kampf gegen die herrschende Verhältnisse niemals auf den Staat setzen werden. Selbstorganisierter und konsequenter Antifaschismus ist notwendig!
Solidarität mit den von Repression betroffenen Antifaschist_innen !
Unsere Solidarität ist unsere Waffe !
Keine Spekulationen! Anna & Arthur haltens Maul!

Bilbo (Baskenland): Freiheit für Flo und Rafi!

Heute fand in Bilbo (Baskenland) der Prozess gegen unsere Freunde und Genossen Flo und Rafi statt. Ihnen wird vorgeworfen, während der Räumung des besetzten Stadtteilzentrums Kukutza im September 2011 an Aktionen teilgenommen und dabei einen Müllcontainer in Brand gesteckt zu haben. Die Staatsanwaltschaft verlangt jeweils 3,5 Jahre Haft und die Zahlung von insgesamt 8800 Euro.

 

Beide Angeklagten bestreiten den konkreten Tatvorwurf. Während des Prozesses verstrickten sich die Bullen in diverse Widersprüche. Es wurde vollends offensichtlich, dass die gesamte Anklage auf einem politisch motivierten Lügenkonstrukt beruht und nur die Sanktion internationaler Solidarität zum Ziel hat.

 

Nach der Anhörung von mehreren Alibi-Zeugen steht das Gericht nun vor einer Sachlage, welche eindeutiger nicht sein könnte. Das Urteil wird in den nächsten Wochen erwartet. Alles andere als ein Freispruch wäre ein Skandal

 

Der Prozess wurde von einer gut besuchten Solidemo für die Angeklagten begleitet und vom Republikanischen Anwältinnen und Anwälteverein beobachtet.

Freiheit und Glück für unsere beiden Freunde Flo und Rafi!

 

+++ Soli-Konto: Rote Hilfe e.V. OG Hamburg; Konto-Nr.: 84610203; BLZ: 20010020; Postbank Hamburg; Stichwort: Flo & Rafi +++ Soli-T-Shirts gibts im Libertären Laden (Iltisstraße 34, Kiel-Gaarden, Di. 16-18h, Do. 18-20h) +++

 

Weitere Infos: supportkukutza.blogsport.de

Viel zu tun im nächsten Jahr!

An dieser Stelle ein kompakter Newsblock, denn das Jahr 2012 wirft aus antifaschistischer Sicht schon jetzt seine Schatten voraus.
Das Thema „rechter Terror“ beherrschte in den letzten Wochen aufgrund der aufgeflogenden Gruppe „NSU“ bekanntermaßen die breite Medienlandschaft, doch kommt die Einordnung dieser Ereignisse in die deutsche Kontinuität natürlich meistens in der Empörung über die plötzlich aufgetauchten Nazi-Terroristen nicht vor. Dazu gibt es noch einige Dinge zu sagen und so hat das neue AntifaInfoblatt diesmal einen Schwerpunkt auf das Thema gelegt (wie immer auch erhältlich im Libertären Laden in Gaarden). Achtet auch auf weitere Ankündigungen zu Veranstaltungen und Aktionen!
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Im Februar heißt es wieder dresden calling und es gilt zum dritten Mal den Großaufmarsch der Neonazis durch entschlossene Aktionen zu blockieren, sabotieren und zu verhindern. Infos zur Anreise aus Norddeutschland gibts auch bald u.a. hier.
Im März wollen die FaschistInnen dann ihren jährlichen lokalen Trauermarsch in Lübeck machen, auch hier sind wieder kreative Aktionen gefragt, damit den Nazis dort langsam endlich mal die Puste ausgeht.
Und schießlich steht der Landtagswahlkampf für die Wahl im Mai an, in der NPD & Co. sicher versuchen werden, neben schnellen Flyerverteilungen auch die eine oder andere größere Aktion durchzuführen. Wir wollen den Nazis ihren Wahlkampf natürlich so schwer wie möglich machen, achtet auch hier auf aktuelle Ankündigungen, vernetzt euch und kommt zu den Antifa-Aktionen!
Ansonsten ist noch zu sagen, dass unsere kleine Spendenkampagne für riseup.net jetzt langsam beendet wird und wir das Geld demnächst rüberschieben werden, wer also riseup.net nutzt und noch nicht gespendet hat, sollte das demnächst tun. Unsere Homepage hat eine kleine Frischzellenkur bekommen, so dass wir frisch ins neue Jahr starten und auch die Chronik der Naziaktivitäten in Kiel und S-H wurde wieder ein wenig aktualisiert. Lob, Kritik und Anregungen könnt ihr uns weiterhin über alle Kommunikationswege zukommen lassen, besonders freuen wir uns über mit Schokolade gefüllte Pakete!

Support Flo & Raffi! Kukutza IV aurrera!

+++ Hamburger Genossen Flo und Raffi nach der Räumung des besetzten Stadtteilkulturzentrums Kukutza III Gaztetxea in Bilbo/Baskenland von Zivibullen festgenommen +++
+++ Nach 9 Tagen U-Haft wurden Flo und Raffi gegen jeweils 1000 € Kaution entlassen +++
+++ Entlassung keineswegs Ende der Repression: Weder die Verfahren gegen Flo und Rafi, noch gegen all die anderen im Kampf für das Kukutza verfolgten Genoss_innen sind eingestellt +++
+++ Es werden dringend Spenden benötigt um die Anwalts/Verfahrenskosten und die Soli-Arbeit zu finanzieren +++
+++ Soli-Konto: Rote Hilfe e.V. OG Hamburg; Konto-Nr.: 84610203; BLZ: 20010020; Postbank Hamburg; Stichwort: Flo & Rafi +++
+++ Soli-T-Shirts gibts im Libertären Laden (Iltisstraße 34, Di. 16-18h, Do. 18-20h) +++
Am Mittwoch, 21.09.2011 wurden nach der Räumung des besetzten
Stadtteilkulturzentrums Kukutza III Gaztetxea in Bilbo/Baskenland unsere Freunde und Genossen Flo und Rafi aus Hamburg von baskischen Zivibullen festgenommen.
Ihnen wird vorgeworfen, im Anschluss an die Räumung an militanten Aktionen teilgenommen und im Zuge dessen Brandstiftung begangen zu haben. Das Zündeln an Müllcontainern kann, wenn es in Verbindung mit „kale borroka“ (deutsch: Strassenkampf), also nach offizieller Auffassung von der ETA gesteuerten und somit terroristischen Ausschreitungen, gebracht wird, mit mehrjähriger Haft bestraft werden. Für „öffentliche Unruhe“ (vergleichbar mit schwerem Landfriedensbruch) gibt es in der Regel zwischen 6 Monaten und 3 Jahren Haft.
Begründet wurde die Untersuchungshaft einerseits damit, dass sie keinen festen Wohnsitz auf spanischem Territorium haben und andererseits damit, dass sie die Telefonnummer eines Anwalts auf dem Arm stehen hatten, und dass man „sich ja keine Telefonnummer von einem Anwalt auf den Arm schreibt, wenn man nichts geplant habe“. Außerdem behaupten die baskischen Bullen, dass einer der Beiden aufgrund seiner abgewetzten Hose wohl beim Anzünden eines Containers beteiligt gewesen sein muss. Ihnen wurden während oder nach der Festnahme die Ausweispapiere entwendet. Eine Anwohnerin hat dagegen beobachtet, wie die Zivibullen, die die beiden festgenommen haben, kurz zuvor selber Container angezündet haben.
Am Freitag, 30.09.2011 sind unsere Freunde und Genossen Flo & Rafi aus der baskischen U-Haft gegen Kaution entlassen worden.
Nach vielfältigen internationalen Protesten und Soli-Aktionen gegen die Inhaftierung der Beiden unter fadenscheinigen Begründungen entschied sich die baskische Justiz für eine Entlassung gegen 1000 Euro Kaution pro Person.
Wir freuen uns für unsere Freunde und Genossen, aber sind uns natürlich auch darüber im Klaren, dass dies keineswegs ein Ende der Repression im Zusammenhang mit der Räumung des Kukutza bedeutet. Weder die Verfahren gegen Flo & Raffi, noch gegen all die anderen im Kampf für das Kukutza verfolgten Genoss_innen sind eingestellt. Hier wie da wird weiter ermittelt, bedroht und wahrscheinlich bestraft.
Es ist immer ein Angriff auf uns alle!
Es werden dringen Spenden für die Beiden benötigt um die Anwalts/Verfahrenskosten und die Soli-Arbeit zu finanzieren!

Wir fordern die sofortige Einstellung aller Verfahren im Zusammenhang mit der Räumung und Zerstörung des Kukutza III Gaztetxea!


» Solibrunch für Flo, Raffi & Kukutza

Sonntag 6. November 2011 | 13 Uhr | Alte Meierei (Hornheimer Weg 2, Kiel)

Weitere Infos: supportkukutza.blogsport.de

Verfahren gegen Kieler Antifas eingestellt

Die Verfahren gegen mehrere Kieler AntifaschistInnen, die unter dem Tatvorwurf des „Landfriedensbruches“ am 26.3.11 am Rande des Naziaufmarsch in Lübeck festgenommen wurden, sind eingestellt worden.
Zur Deckung der entstandenen Kosten gibt es am Sonntag den 30.10. um 11 Uhr im Li(e)ber Anders (Iltisstr. 34, Kiel-Gaarden) einen veganen Soli-Brunch unter dem Motto „Solidarisch mampfen gegen Nazis und Repression“.
Mehr Infos zu den Verfahren:

Lübeck 26. März 2011 & Repression

Lübeck 26. März 2011 & Repression / Vol. II

HANDYÜBERWACHUNG, STRAFBEFEHL UND BERUFSVERBOT

Wir dokumentieren einen Text vom AK Solidarität:
Auch Kielerin ist betroffen vom Überwachungsskandal gegen antifaschistische Demonstrierende in Dresden.
Es zeichnet einen Menschen aus: Verhinderung einer neonationalsozialistischen Demonstration. Doch im hiesigen
Demokratieverständnis zählen Aktivitäten gegen NeoNazis als Straftat. Der Kielerin A. wird von der Dresdener Staatsanwaltschaft vorgeworfen, am 19. Februar an einer Blockade teilgenommen zu haben und damit den geschichtsrevisionistischen Aufzug an diesem Tag verhindert zu haben.
A. ist dem Aufruf vieler gesellschaftlicher Gruppen zur Verhinderung des NeoNaziaufmarsches in Dresden gefolgt. Ihr und zahlreichen anderen Teilnehmenden drohen nun drakonische Strafen. In diesem Fall kommt der Paragraph 21 der sächsischen Versammlungsordnung zum Tragen. Mit diesem wird versucht, notwendigen Protest zu kriminalisieren. Ein bisher toter Paragraph wird wiederbelebt, um gegen zivilen Ungehorsam vorzugehen.
A. wurde nahe einer dieser Sitzblockaden von der Polizei aufgegriffen. Nachdem die Politprominenz in Person von Wolfgang Thierse und Christian Ströbele nicht mehr vor Ort war begann die Polizei das bekannte Spiel: wahllos Personalien „sammeln“, um später Verfahren für die Öffentlichkeit vorweisen zu können. Für A. bedeutet diese Sammelwut eine Anzeige. Die Ansage der Staatsanwaltschaft Dresden: Schuldig bekennen, samt Vorstrafe und Strafbefehl oder ein Prozess in Dresden mit dem Drängen auf eine noch höhere Strafe. Ein Teil der „Beweisführung“ der Dresdener Staatsanwaltschaft ist die unrechtmäßige Funkzellenauswertung. Dabei wurden am Tag der Demonstration tausende Handydaten gesammelt und ausgewertet. Die Absetzung des Dresdener Polizeipräsidenten bezeugt, wie illegitim diese Erfassung war. A. hilft dies nicht. Im Fall einer Verurteilung wäre ihre Tätigkeit im angestrebte Berufsfeld nicht mehr möglich. Schon jetzt ist unsicher, ob die bestehende Arbeit mit einer Vorstrafe
weiterhin möglich ist.
Die Verhältnisse der bürgerlichen Demokratie sind irrational, widersprüchlich und jenseits von Legitimität im Sinne ihrer Souveräne. Das Parlament des Freitstaates Sachsen schafft es nicht, sich ein verfassungsmäßiges Versammlungsrecht zu geben und geht gleichzeitig mit totalitären Methoden gegen den breiten antifaschistischen Protest vor: Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung nach §129 inklusive weitreichender Telefonüberwachung, Hausdurchsuchungen, faktische Berufsverbote, massive Gerichts- und Anwaltskosten für
Betroffene. Hinzu kommen psychische und soziale Schäden, die die Betroffenen erleiden. Hier wird weder vor Bürger_innen, Assoziationen, Parteien oder Begegnungsstätten halt gemacht, keine demokratische Institution genießt mehr Schutz, wenn der Apparat in Gang gesetzt ist. Eine politische Linke ist mittlerweile gezwungen, die Aufgaben einer liberalen Bürgerrechtsbewegung einzunehmen, da sie niemand anderes erfüllen kann oder will.
Wir fordern auf, sich mit A. und den anderen Betroffenen zu solidarisieren. Dabei hilft kein „Die da oben schon wieder“. Praktische Organisierung und Mittelbeschaffung sind notwendig: Politische Öffentlichkeit, politischer Druck, Geld und was euch sonst so einfällt. Insbesondere die aufrufenden Gruppen und Organisationen sind gefragt. Um die Unterschrift unter den Aufruf, nach Dresden zu fahren, nicht zur inhaltsleeren Symbolik verkommen zu lassen, erwarten wir gerade von Euch praktische Hilfe in der politischen Zurückweisung der Repressionen.
AK Solidarität 24.08.11
Kontakt über den Arbeitskreis kritischer Studierender Kiel
ak.unikiel@googlemail.com und http://akkiel.blogsport.de

80 Antifas auf Kundgebung gegen rechte Gewalt & Repression in der Kieler City

+++ 80 Antifaschist_innen auf Kundgebung „Solidarität mit allen Betroffenen staatlicher Repression und rechter Gewalt!“ in der Kieler Innenstadt +++ Solidaritätsbekundung mit Betroffenen des Massakers von Oslo und jüngster rassistischer und neonazistischer Anschläge in Deutschland  +++ Aufruf zur Unterstützung der von Überwachung und Repression betroffenen Antifaschist_innen wegen Aktivitäten gegen Naziaufmärsche in Dresden und Lübeck +++ „Solidarität mit Betroffenen von rechter Gewalt und denjenigen, die infolge ihres Aufbegehrens gegen diese staatlicher Repression ausgesetzt sind, ist unerlässlich!“ +++
Aufruf zum nachlesen | Bilder und Redebeiträge auf Indymedia
http://media.de.indymedia.org/images/2011/08/314773.jpg
Am späten Nachmittag des heutigen Freitag, 26. August 2011 folgten etwa 80 Antifaschist_innen einem Aufruf der Autonomen Antifa-Koordination Kiel und versammlten sich auf dem Asmus-Bremer-Platz in der Kieler Innenstadt zu einer Kundgebung unter dem Motto „…bis die Scheiße aufhört! Solidarität mit allen Betroffenen staatlicher Repression und rechter Gewalt!“. Ziel war die öffentliche Solidaritätsbekundung mit den Betroffenen jüngster Gewalttaten mit politisch rechtem Hintergrund wie u.a. dem Massaker von Oslo im Juli. Desweiteren wurde zur Unterstützung verschiedener Kieler Antifaschist_innen aufgerufen, die derzeit wegen ihres Engagements gegen Neonaziaufmärsche staatlicher Repression ausgesetzt sind. Während der 90 minütigen Veranstaltung wurden hunderte Flugblätter an die zahlreichen Passant_innen in der Fußgänger_innenzone verteilt und mehrere am Thema der Kundgebung angelehnte Transparente gezeigt.

Desweiteren wurden in insgesamt fünf Redebeitragen die verschiedenen Themenstränge der Kundgebung näher beleuchtet. Zunächst wurde das Massaker von und bei Oslo vom 22. Juli 2011, dem 77 Menschen zum Opfer fielen und das gegen Muslime und Linke gerichtet war, als eine terroristisch zugespitzte Form des seit Jahren andauernden Rechtsrucks der bürgerlichen Mitte in weiten Teilen Europas interpretiert und die Einordnung der Tat als die eines gesellschaftlich randständischen Einzeltäters als unzutreffend kritisiert.
Nachfolgend berichtet eine Rednerin über den Stand eines Ermittlungsverfahrens gegen eine Kielerin, die sich an den erfolgreichen Massenblockaden des größten Neonaziaufmarschs Europas vom 19. Februar 2011 beteiligt haben soll, in diesem Zusammenhang von der massiven Telefonüberwachung betroffen war und nun mit einem Ermittlungsverfahren wegen „Verhinderung einer angemeldeten Versammlung“ konfrontiert ist. Es wurde zur praktischen Solidarität in Form von finanzieller Unterstützung der Betroffenen und dem Aufbau von politischem Druck aufgerufen.
Der anschließende Beitrag ging auf laufende Ermittlungsverfahren wegen angeblichen „Landfriedensbruch“ gegen sieben Kieler Aktivist_innen ein, die am Rande des jährlichen Neonaziaufmarsches am 26. März 2011 festgenommen wurden und dabei permanenter physischer und psychischer Gewalt seitens der dienthabenden Polizist_innen ausgesetzt gewesen waren. Dieser Vorfall wurde als Ausdruck einer seit Jahren andauernden bewussten polizeilichen Strategie gewertet, gewalttätig gegen den unliebsamen antifaschistischen Massenprotest in Lübeck vorzugehen und den Neonaziaufmarsch durchzusetzen.
Nachdem aus aktuellem Anlass eine Erklärung des unabhängigen Hamburger Radionsenders FSK wegen der Ingewahrsamnahme einer seiner Redakteure am Rande des Schanzenfestes am vergangenen Wochenende verlesen und dieser erneute Eingriff der Hamburger Polizei in die Pressefreiheit kritisiert wurde, theamtisierte der abschließende Redebeitrag einige der jüngsten Beispiele neonazistischer Anschläge und Übergriffe in der Bundesrepublik.
Dabei wurde vor allem auf die Reihe von (Brand-)anschlägen auf linke Projekte in Berlin vom 27. Juni 2011 aufmerksam gemacht und die insbesondere vom Berliner Innensenator Körting vorgenommene Darstellung der neonazistischen Anschläge als Eskalation der Gewaltspirale in einem angeblichen Krieg „extremistischer Banden“ als verharmlosend zurückgewiesen. Vielmehr sei die im Kern aggressive und menschenverachtende neonazistische Ideologie Ausgangspunkt der Taten. Zur Abwehr rechter Gewalt wurde die Organisation eines offensiven antifaschistischen Selbstschutzes und die konkrete Solidarität mit allen, die ihr ausgesetzt sind, eingefordert.
Die Veranstalter_innen zeigten sich zufrieden mit dem Verlauf der Kundgebung: Es sei wichtig, öffentlich denjenigen zur Seite zu stehen, die der gewaltförmigen Konsequenz rechter Idelogien ausgesetzt sind und auch diejenigen nicht allein zu lassen, die wegen ihrer notwendigen antifaschistischen Arbeit kriminalisiert werden. Diesem Ziel sei die heutige Aktion nachgekommen.
Wenn in Oslo ein christlich-fundamentalistischer Rassist aus der bürgerlichen Mitte einen widerwärtigen Massenmord an jungen Sozialdemokrat_innen verübt, Neonazis in Berlin Läden der autonomen Linken anzuzünden versuchen und in Dresden staatliche Repressionsbehörden Antifa-Aktivist_innen, die erfolgreich gegen den größten europäischen Naziaufmarsch vorgehen, mit Handyüberwachung und Verfahren überziehen und mittels §129 zur „kriminellen Vereinigung“ erklären, geschehe dies in einem Klima einer Konjunktur rechter Welterklärungsmuster in ganz Europa. Einem solchen Rechtsruck mitsamt seinen repressiven und gewalttätigen Auswüchsen gelte es eine starke emanzipatorische politische Bewegung für eine Gesellschaft ohne Ausgrenzung, Ausbeutung und Unterdrückung entgegen zu setzen.
Neben der heutigen Kundgebung wird am morgigen Samstag, 27. August 2011 auch eine Soliparty zur finanziellen Unterstützung der genannten Kieler Antifaschistin stattfinden, gegen die im Zusammenhang mit dem Dresdner Neonaziaufmarsch ermittelt wird. Diese beginnt um 18 Uhr in der Alten Meierei.
Es kam während der gesamten Kundgebung zu keinerlei Störungen durch die nur spärlich anwesende Polizei. Auch Neonazis oder andere Unsympathen ließen sich erfreulicherweise nicht blicken.

Termine, Termine, Termine…

In der nächsten Zeit stehen einige aus antifaschistischer Sicht interessante Termine an: Am nächsten Wochenende beschäftigen wir uns in Kiel mit den aktuellen Auswüchsen rechter Gewalt und staatlicher Repression, am Freitag findet um 17 Uhr eine antifaschistische Kundgebung unter dem Motto „Solidarität mit allen Betroffenen staatlicher Repression und rechter Gewalt!“ statt und am Samstag eine im Kontext stehende Soliparty für eine Betroffene der repressiven Aktionen des Staates gegen den Widerstand gegen die jährlichen Naziaufmärsche in Dresden.
Den Aufruf zu unserer Kundgebung in Kiel findet ihr hier, die Party in der Alten Meierei, zu der der AK kritischer Studierender einlädt, steht unter dem Motto „Dresden Calling“, zu hören gibt es Electro- und Blakan-Beatz. Zu den §129-Ermittlungen gegen die antifaschistische Bewegung in Sachsen und Brandenburg gibt es viele Infos auf der Seite http://hundertneunundzwanzigev.blogsport.de und zu den Repressionsversuchen in Dresden natürlich unter http://dresden-nazifrei.com.  
Am 3. September stehen gleich zwei Termine mit überregionaler, bzw. bundesweiter Bedeutung für die antifaschistische Bewegung an: In Dortmund wollen Neonazis wieder zum so genannten „Nationalen Antikriegstag“ aufmarschieren, wogegen neben dem Alerta!-Bündnis, dessen Aufruf wir hier dokumentieren, auch die Bündnisse Dortmund stellt sich quer! und Dortmund Nazifrei mobilisieren.
Gleichzeitig steht in Schwerin die Abschlussdemonstration der antifaschistischen Kampagne Wake Up – Stand Up! an, die sich gegen den NPD-Wahlkampf und Nazi-Strukturen in Mecklenburg-Vorpommern richtet. Für alle Antifas, die nicht nach Dortmund fahren, heißt es daher die Genoss_innen in M-V zu unterstützen!
Da an diesem Tag aber auch das alljährliche antirassistische Rote-Hilfe-Fussballturnier auf dem Nordmarksportfeld stattfindet, können wir aus Kiel keine gemeinsame Anreise zu einer dieser Veranstaltungen organisieren, auch wenn wir dies natürlich sehr bedauern! Wir werden jedoch hier uns bekannte öffentliche gemeinsame Anreisepunkte aus Norddeutschland sowohl nach Schwerin als auch nach Dortmund bewerben.
Ankündigen können wir erfreulicherweise auch schon die nächsten zwei Termine des monatlichen Antifa-Cafés in der Alten Meierei: Am 8. September geht es um die bevorstehende Landtagswahl in Schleswig-Holstein und eine mögliche antifaschistische Kampagne gegen einen NPD-Wahlkampf und am 13. Oktober wird der Journalist Andreas Speit zum Thema „Mädelsache: Frauen in der Neonazi-Szene“ referieren.