300 Antifaschist*innen für solidarische Stadt und gegen Corona-Relativierer*innen

+++ Bis zu 300 Antifaschist*innen gegen landesweite „Querdenken“-Aktivitäten in Kiel +++ Schwarz-rote Karte für Li(e)ber Anders-Vermieterin auf der Holtenauer Straße +++ Mobilisierung des zerstrittenen Querdenken-Lagers floppt mit maximal 400 Teilnehmer*innen +++

Bis zu 300 Antifaschist*innen beteiligten sich am Samstag, 15.05.2021, an der Bündnisdemo „Für eine solidarische Stadt“ gegen erneute überregionale Aktivitäten der rechtsoffenen „Querdenken“-Szene in Kiel. Bereits um 10 Uhr morgens versammelten sich die Teilnehmer*innen zur Auftaktkundgebung am Platz der Matrosen. Hier sprachen eine Rednerin des Runder Tisch gegen Rassismus und Faschismus Kiel sowie der Kieler Poetry Slammer Björn Högsdal, der eine Auftrittsanfrage aus dem „Quedenken“-Spektrum mit der aktiven Unterstützung der Gegendemo beantwortet hatte.

Anschließend setzte sich der in zwei Blöcke aufgeteilte Zug über das Sophienblatt, entlang des Exerzierplatz und des Rathausplatz und durch die Bergstraße zum Dreiecksplatz in Bewegung. Hier fand eine Zwischenkundgebung mit Beiträgen von DIDF und der Initiative No Covid statt. Der zweite Teil der Wegstrecke führte die Demonstration über die Holtenauer Straße. Auf Höhe des Ladengeschäfts „Pyro-Schmuck“ zeigten Teilnehmer*innen des Antifa-Blocks der Betreiberin spontan die schwarz-rote Karte und riefen die Parole „Li(e)ber Anders Iltisstraße bleibt!“. Selbige ist zugleich die Vermieterin des linken Stadtteilladens in Gaarden, dem vor wenigen Wochen der Mietvertrag gekündigt worden ist.

Nachdem im Anschluss das Villenviertel Düsternbrook und die Reventlouwiese passiert wurden, fand am Ostseekai am frühen Nachmittag die Abschlusskundgebung statt, zu der das Bündnis Solidarisch durch die Krise Kiel sowie die Autonome Antifa-Koordination Kiel Redebeiträge beisteuerten.

Aktionen der Corona-Relativierer*innen wurden an diesem Tag trotz der ausgiebigen Route nicht direkt flankiert. Dies hatte vor allem damit zu tun, dass diese nach internen Zerwürfnissen einen Teil ihres ambitionierten ganztägigen Aktionsmarathons bereits im Vorfeld abgesagt hatten. Schlussendlich kamen zu einer morgendlichen Demo vom Rathausplatz nur etwa 25 Personen zusammen, der Hauptaufmarsch von der Kiellinie am Nachmittag versammelte maximal 400 Teilnehmer*innen und die Abschlusskundgebung auf der Moorteichwiese blieb mit etwa 150 Querdenker*innen ebenfalls mäßig besucht. Gegen antifaschistische Proteste in deren unmittelbarer Nähe ging die Kieler Polizei abermals rigoros mit Platzverweisen vor.

Statt der großen Wiedergutmachung für den abgesagten Marsch im April bekamen Sozialdarwinist*innen und Verschwörungsgläubige also ihre am schwächsten besuchtesten landesweiten Veranstaltungen seit mehreren Monaten aufs Tableau. Das Desaster vom April, das ihnen auch durch die erfolgreichen antifaschistischen Gegenmobilisierungen beigebracht werden konnte, scheint seine Signalwirkung nicht verfehlt zu haben. Dass es für emazipatorische Kräfte aber auch unabhängig der weiteren Entwicklung im rechtsoffenen „Querdenken“-Spektrum genügend Corona-Krisenbewältigung zu erledigen gibt, haben die Redner*innen auf der antifaschistischen Demo wiederholt deutlich gemacht.

„Um diesen ambitionierten, aber nötigen Befreiungsakt zu bewerkstelligen, müssen wir uns unten zusammentun und gesellschaftliche und politische Gegenmacht organisieren. Organisierung braucht nicht nur motivierte Genoss*innen sowie durchdachte Analysen, Strategien und Ziele, sondern auch Räume. Ein kleiner Raum, an dem das zarte Pflänzchen der widerständischen und solidarischen Organisierung in Kiel seit vielen Jahren beharrlich gegossen wird, ist derzeit akut bedroht. Den linken Stadtteilladen Li(e)ber Anders in der Iltisstraße 34 erreichte vor wenigen Wochen überraschend die Kündigung durch seine Vermieterin. Die Verdrängungs- und Aufwertungsprozesse infolge der neoliberalen Stadtentwicklung haben längst auch die sogenannten sozialen Brennpunkte erreicht, das Li(e)ber Anders droht weder ihr erstes, noch ihr letztes Opfer zu werden. Die Nutzer*innen und Unterstützer*innen des Li(e)ber Anders haben in dieser Woche eine Kampagne für den Erhalt des Projektes gestartet. Im Interesse am Erhalt der selbstverwalteten emanzipatorischen Infrastruktur dieser Stadt: Zeigt Euch solidarisch und schließt Euch in den kommenden Wochen dem Kampf gegen Verdrängung und für unsere Räume an – wir bleiben Li(e)ber Anders!“ (Autonome Antifa-Koordination Kiel)