Erfolgreiche antifaschistische Demonstration mit 300 TeilnehmerInnen -
Militante Nazis an der Titanic - Naziüberfall auf TierrechtlerInnen
Spontandemonstration als Reaktion auf den Überfall
Am 16.5.09 fand in Neumünster eine Demonstration unter dem Motto "Nazis aus der Deckung holen!" statt. Wir dokumentieren einen Artikel von Indymedia:
Freitag:
Am
Abend fand die dritte Veranstaltung der Veranstaltungsreihe des Bündnis
gegen Rechts statt. Die VVN/BdA hatte Jörg Welzer zu einer
Diskussionsveranstaltung eingeladen, die um 19.00Uhr im DGB-Haus
stattfand. Jörg Welzer hatte sich als Jugendlicher 15 Monate in eine
Neonazigruppe „eingeschlichen“, und die Informationen an
antifaschistische Gruppen weitergegeben. Jörg Welzer berichtete vor gut
50 ZuschauerInnen von seinen langjährigen Erfahrungen mit
antifaschistischer Arbeit. Ein besonderes Augenmerk legten die Fragen
der ZuschauerInnen auf die unmittelbare Zeit nach seiner „Enttarnung“
in der Naziszene.
Insgesamt eine sehr interessante und gelungene Veranstaltung.
Samstag:
Zum
Auftakt der Demonstration versammelten sich rund 300 AntifaschistInnen
am Bahnhof. Nach zwei Redebeiträgen begann der Demonstrationszug, der
auf einer langen Strecke durch die Innenstadt jeweils in die Nähe der
Wohnorte von Titanic- Pächter Wolfgang Tiemann und -Wirt Horst Micheel
vorbeizog, wo jeweils in kurzen Reden die AnwohnerInnen über beide
Personen informiert wurden.
Einzelne Provokationen von Nazis am
Rande der Veranstaltung konnten schnell durch
DemonstrationsteilnehmerInnen unterbunden werden.
Mit zwei
weiteren Redebeiträgen am Rathaus endete die Demonstration
störungsfrei. Zum Abschluss wurde noch darauf hingewiesen, dass sich
vor der Titanic rund 20 gewaltbereite Neonazis aus dem Spektrum der
„Autonomen Nationalisten“ befanden, und daher ein Heimweg in größeren
Gruppen empfohlen.
20-25 Neonazis aus Neumünster und umliegenden
Städten hatten sich bereits gegen 10Uhr am Club 88 versammelt und
fuhren von dort aus in Kleingruppen in die Innenstadt und teilweise zur
Titanic. Vor der Titanic trat die Gruppe teilweise vermummter Nazis
sehr aggressiv auf, so gab es einen versuchten Angriff auf zwei
Journalisten, aber auch teilweise mutiges Auftreten von AnwohnerInnen
gegen die Nazipräsenz in ihrer Straße.
Erst nachdem sich nach Ende
der Demonstration rund 50 Antifaschistinnen in die Friedrichstraße
begaben, verstärkte die Polizei ihre bisher nur lockere Präsenz in der
Friedrichstraße und kesselte die Nazis vor der Titanic ein. Dadurch
wurde die offene Präsenz von Neonazis vor der Titanic beendet.
Gegen
17.30Uhr zerstreuten sich die Gruppen von AntifaschistInnen zunehmend,
so dass auch die Polizei ihren Kessel lockerte und schließlich abzog.
Auch einige Nazis begaben sich zu ihren Autos und fuhren nach Hause
bzw. zum Club 88.
Gegen 18.30Uhr kam es vor den Holstenhallen zu
einem Überfall von zwölf vermummten Nazis auf eine kleine Gruppe von
TierrechtlerInnen, die dort vor dem Zirkus Flugblätter verteilten.
Dabei wurden zwei Personen verletzt, die im Krankenhaus behandelt
werden mussten. Die Polizei leitete eine Fahndung nach den flüchtenden
Tätern ein.
Sonntag:
Mittags wurde eine
Spontandemonstration mit gut 30 AntifaschistInnen in der Neumünsteraner
Innenstadt durchgeführt. Die Demonstration lief laut und entschlossen
zum Großflecken, wo aufgrund des Geranienmarktes zahlreiche BürgerInnen
anwesend waren. So fand sich dort auch ein großes Publikum für den
Redebeitrag, der den Naziüberfall vom Vortag thematisierte. Die
Reaktionen reichten von den üblichen „Geht doch arbeiten!“- Pöbeleien
bis hin zu deutlich geäußerter Zustimmung und Beifallklatschen.
Die
Polizei kam es erst nach rund der Hälfte des Weges dazu und versuchte
nur halbherzig, die Demo aufzuhalten. Sie sicherte mit dem Großteil
ihrer Einsatzkräfte die Titanic ab, so dass die Demonstration in Ruhe
zu Ende geführt wurde, ohne dass eine Anmeldung notwendig wurde.
Fazit:
Gelungene
öffentliche Reaktion auf den Naziüberfall, der im Polizeibericht mal
wieder keine Beachtung fand. In nur wenigen Stunden konnten gut 30
AntifaschistInnen zu einer kleinen, aber entschlossenen Spontandemo
mobilisiert werden.
Die Demonstration am Samstag hätte gerne mit
etwas mehr Leuten, größerer Lautstärke und mehr Parolen besetzt sein
können. Die Ziele konnten dennoch erreicht werden, daher ist die Demo
als Schritt in die richtige Richtung zu sehen. An dieser Stelle sei
noch mal auf den Indymedia-Artikel „Nazimythos Neumünster“ verwiesen,
in dem aufgezeigt wurde, das die Nazis zunehmend die Titanic als
gefährdet ansehen. Ihre versuchte „Solidaritätshascherei“ in
Neumünsteraner Kneipen fand ganz offensichtlich keine Resonanz,
stattdessen musste die Titanic von 20 gewaltbereiten Nazis aus S-H
beschützt werden. Dennoch muss es eine Aufgabe von AntifaschistInnen
sein, die erschreckende Akzeptanz und Präsenz der Titanic in Neumünster
aufzubrechen.
Viel zu tun bleibt in jedem Fall, eventuell schon am
kommenden Samstag, an dem die Titanic sowohl ein Fußballturnier als
auch abends ein „Livekonzert“ in der Titanic plant.
Kein Fußbreit den Faschisten
Nazis offensiv entgegentreten!
Titanic und Club 88 schließen – mit allen Mitteln
Hier gibt's den
Redebeitrag der Autonomen Antifa-Koordination, der auf der Demo gehalten wurde.
Zur aktuellen Situation dokumentieren einen Artikel der Antifa Neumünster von Indymedia:
Ein Rückblick, Ausblick und die aktuelle Lage der Naziszene und Antifaaktivitäten in Neumünster.
Mit einem viel beachteten und gut besuchten Antifafestival
(www.club88-schliessen.tk) am 27.9.07, welches zeitgleich zum elften
Club88-Geburtstag stattfand, begannen antifaschistische Aktivitäten in
Neumünster wieder mit neuer Kraft.
Damals war das erklärte Ziel
des Festivals - neben sichtbaren Protest gegen den Club 88 - die
Stärkung lokaler Antifastrukturen in Neumünster. Rückblickend kann dies
zumindest teilweise als gelungen betrachtet werden.
So ist in Neumünster durchaus eine Steigerung antifaschistischer Aktivitäten zu beobachten.
Eine kurze Rückschau:
-Im
März 08 warfen unbekannte zweimal die Fensterscheiben der Titanic ein
und beschädigten Teile der Inneneinrichtung. Laut Presseberichten
entstand ein Sachschaden von 10.000€.
-Im September 2008 fand
sowohl ein antifaschistisches Sommerfest auf dem Postparkplatz , als
auch zwei Wochen später eine große antifaschistische Demonstration
gegen den 12.Geburtstag des Club 88 statt. Dieser fand leider aber erst
eine Woche später statt und so wurde ein Großteil der ''Festlichkeiten“
in die Titanic verlagert.
-Zahlreiche im Stadtbild sichtbare
antifaschistische Graffitis und Antifa-Aufkleber, Sachbeschädigungen an
Nazieigentum und so manch unangenehmes Erlebnis für den einen oder
anderen Nazi auf Neumünsters Straßen vervollständigen die Erfolge und
konnten so vielleicht dazu beitragen den „Mythos Neumünster“, wonach
Mensch sofort beim betreten dieser Stadt von zehn Nazis überfallen
wird, etwas aufzubrechen.
-Zur Zeit läuft eine
Veranstaltungsreihe zum Thema Rechtsextremismus vom Bündnis gegen
Rechts noch bis zum 4.7.09, wo zum Abschluss auf dem Postparkplatz
erneut ein Sommerfest stattfinden soll. Zwei Veranstaltungen haben
bereits stattgefunden, eine Informationsveranstaltung mit Andreas Speit
mit 80 BesucherInnen und ein „Laut gegen Rechts“ Festival mit rund 300
BesucherInnen in der AJZ.
Anlass für die Veranstaltungsreihe
waren und sind die anhaltenden Naziaktivitäten und darüber hinaus die
Nazitreffpunkte Club 88 und vor allem die Titanic. Die nächste
Veranstaltung wird eine Diskussionsveranstaltung mit dem Titel
„Undercover gegen Nazis“ (www.verein-tolzi.de) mit Jörg Welzer sein,
der sich als Jugendlicher in eine Gruppe der Jungen Nationaldemokraten
„einschleuste“ und die Informationen an Antifa-Gruppen weitergab.
Für
den 16. Mai bereiten antifaschistische Gruppen eine Demonstration unter
dem Motto „
Nazis aus der Deckung holen“ vor.
Aufgrund
der angespannten Situation in Neumünster (siehe unten) und der Vorfälle
in jüngerer Vergangenheit, vor allem in Kiel, ist eine Anreise in
Gruppen empfehlenswert. Die Teilnahme wird aber ausdrücklich
gewünscht,da gerade aufgrund der aktuellen Lage eine gut besuchte,
erfolgreiche Demo als wichtig für die weitere Entwicklung in Neumünster
angesehen wird.
Doch die Lage bleibt ernst: Bei aller positiven
Entwicklungen bleibt Neumünster dennoch Neumünster. Das heißt unter
anderem, dass Rechercheergebnisse die Zahl derer, die sich offen zur
Naziszene bekennen bzw. in ihr aktiv sind auf mindestens 50 Personen
beziffert. Hinzu kommt eine unklare Zahl an Mitläufern, Sympathisanten
und Personen, denen der Umstand, dass der Typ auf der Party oder im
VFR-Fanblock nun mal ein Nazis ist, nichts ausmacht. Die Toleranz ist
bei vielen Bürgern einfach zu groß.
Als Beispiel, wie integriert
Nazis in Neumünster sind, zeigt der Umstand, dass die Dartmannschaften
der Titanic in der Dart-Stadtliga vollständig anerkannt sind, und
offenbar kein/e Spieler/In der Dartmannschaften aus anderen Kneipen ein
Problem damit hat, in der Titanic bzw. mit den Nazis zusammen Dart zu
spielen. Betreiber und Stammgäste der Titanic sind des weiteren gerne
gesehene Gäste in diversen Kneipen dieser Stadt. Angeblich versuchen
die Titanic-Betreiber gerade im Umfeld der Neumünsteraner
Innenstadtkneipen Solidarität für ihre gefährdete Gaststätte bei den
Gästen zu erwirken und fordern zu Störungen der Demonstration am 16.5
auf.
Dann auch noch ein Bürgermeister, der vehement bestreitet
dass Neumünster ein Naziproblem hat, und eine Presse die nur dann über
Nazis berichtet, wenn ein Bruchteil ihrer Gewalt mal auf sie
zurückgefallen ist und linke Zusammenhänge so wieder in der
Öffentlichkeit diskreditiert werden können
Die andere Seite der
Naziaktivitäten ist eine zunehmend organisierte Gewalt. So gab es seit
Anfang diesen Jahres fünf Sachbeschädigungen an Fahrzeugen politisch
tätiger Menschen in Neumünster, einen Brandanschlag auf ein Fahrzeug
vor einem linken Wohnprojekt und am vergangenen Wochenende eingeworfene
Fensterscheiben an der AJZ.
Eine Schließung des Nazitreffs Club 88
ist durch antifaschistische Interventionen, realistisch betrachtet,
alsbald nicht zu erwarten.
Deutlich anders ist die Situation bei
der Titanic. Hier bieten sich andere Interventionsmöglichkeiten, als
beim Club 88 und auch eine juristische Auseinandersetzung ist noch
nicht abgeschlossen.
Doch auch die Titanic hat bislang alle
Angriffe überstanden, ihre Verankerung in die örtliche Naziszene wird
fester, wie das Beispiel des teilweise in der Titanic gefeierten Club
88-Geburtstages zeigt. Die wahre Flut von Anzeigen, mit denen die Nazis
zur Zeit versuchen, gegen antifaschistische Publikationen vorzugehen
zeigt aber, dass sie ihre Gaststätte als gefährdet ansehen.
Für
den 23. Mai plant die Titanic ein Fußballturnier. Treffpunkt soll
hierfür um 8.00Uhr an der Titanic sein. Das Turnier selbst soll um
10Uhr am „Stadtrand von Neumünster“ beginnen.
Zusätzlich gibt es
Abends ein Livekonzert in der Titanic. Die ''subversive'' Mobilisierung
zum Fußballturnier und der Umstand, dass dort nicht angegeben ist wer
beim Livekonzert auftritt, lassen nichts gutes ahnen.
In diesem Sinne:
Titanic und Club 88 schließen!
Nazis aus der Deckung holen und wegtreten für ein nazifreie Welt !
Ältere Veröffentlichungen zum Thema :
Anschläge:
http://de.indymedia.org/2008/03/210777.shtml
12 Club Geburtstag:
http://de.indymedia.org/2008/10/228763.shtml
Ausführlicher Artikel über den Club 88:
http://de.indymedia.org/2008/09/227807.shtml