Follow our RSS feed Follow us on Twitter

Geplante Nazi-Aufmärsche in Neumünster und Kiel: Zwei Ankündigungen, zwei Absagen.

29.02.16 21:19

Naziaufmarsch von “Neumünster wehrt sich” am Vorabend abgesagt +++ Trotzdem über 200 Antifas bei gemeinsamen Anreisen nach NMS und über 500 Menschen bei Kundgebung des Bündnis gegen Rechts +++ “Kieler Patrioten” kündigten rassistische Spontandemo in Kiel an +++ Am Ende hieß es aber auch in Kiel: null RassistInnen, viele Antifas

Für Sonntag, den 28.02. mobilisierten Schleswig-Holsteinische Neonazis um die Facebook-Gruppe “Neumünster wehrt sich” zu einem rassistischen Aufmarsch nach Neumünster. Die Rechten wollten ab 13 Uhr auf dem Großflecken „Gegen Asylbetrug! Sexuelle Übergriffe und Gewalt auf unseren Straßen! Für unsere deutsche Identität“ demonstrieren. Antifaschistische Gruppen mobilisierten zu Anreisen aus verschiedenen Städten und das lokale Bündnis gegen Rechts meldete eine Kundgebung mit Konzert in direkter Sicht- und Hörweite zu den Nazis an.

Am späten Samstagabend ließen die Neonazis dann auf ihrer Facebook-Seite verlautbaren, dass sie ihre Aktion aus „technischen und organisatorischen Gründen“ absagen müssten. Um sich mit eigenen Augen von dieser erfreulichen Nachricht zu überzeugen und auf eventuelle Ersatzveranstaltungen der Nazis in Neumünster oder Schleswig-Holstein reagieren zu können, wurde von Antifa-Seite trotz der virtuellen Absage weiter nach Neumünster mobilisiert. Obwohl der kurzfristig geänderten Situation machten sich am Sonntag über 200 Antifas aus Kiel, Hamburg, Lübeck und Flensburg per Zug auf nach Neumünster. Mit einer kurzen Spontandemo zogen die Zuganreisenden zum Großflecken, wo sich bereits bis zu 300 Menschen auf der Kundgebung des Bündnis gegen Rechts Neumünster versammelt hatten. Unter die Kundgebungsteilnehmer_innen hatten sich auch drei Mitglieder der vom ehemaligen Chef der „Alternative für Deutschland“, Bernd Lucke, gegründeten Partei „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ (ALFA) verirrt. Nachdem sich einige engagierte Antifas freundlicherweise um die Entsorgung ihrer Schilder kümmerten, sahen es die drei Herren dann doch ein, besser zu gehen.

 

tl_files/kiel_antifa/pics/nms-280216.jpg


Als klar war, dass es an diesem Tag wirklich keine Nazi-Aktionen in Neumünster geben wird, machten sich ca. 150 Antifas spontan zurück auf den Weg nach Kiel, wo in der Zwischenzeit die Web 2.0-RassistInnen "Kieler Patrioten für Freiheit und Sicherheit" über Facebook zu einer Demonstration gegen "kriminelle Ausländer, illegale Einwanderung und Kuscheljustiz" aufgerufen hatten. Mit einer weiteren Spontandemonstration ging es für die aus Neumünster kommenden Antifaschist_innen diesmal durch die Kieler Innenstadt in Richtung Alter Markt/Schloßgarten, wo der Startpunkt für die rechte Zusammenrottung sein sollte. Vor Ort traf man allerdings nur auf weitere Antifaschist_innen und Antirassist_innen, von den RassistInnen erneut keine Spur. Die Polizei war allerdings inzwischen mit einem martialischen Aufgebot von Räumpanzern und Wasserwerfern in der Kieler Innenstadt aufgefahren. Größere Gruppen Antifas zogen anschließend noch durch die Straßen der Kieler City um sicher zu gehen, dass nicht doch Leute dem rechten Aufruf folgen und um deutlich zu machen, dass RassistInnen hier keinen Meter zu gewinnen haben.

Die "Kieler Patrioten für Freiheit und Sicherheit" hatten ursprünglich schon länger für diesen Tag, parallel und in (offizieller) Abgrenzung zu “Neumünster wehrt sich” eine Demonstration angekündigt und geplant, es mangelte ihnen jedoch an organisatorischen Fähigkeiten (u.a. fand sich kein Anmelder) und entsprechend positiver Rückmeldung. Zudem hatten Antifaschist_innen für etwaige Pläne bereits ihren Widerstand angekündigt, weshalb sie diese per Facebook wieder absagten. Stattdessen wurden jetzt am Wochenende von der Facebook-Seite der “Kieler Patrioten” der spontane Demo-Aufruf am 28.2. sowie eine Ankündigung, bei einer Party im linken Zentrum Alte Meierei am Samstagabend aufzutauchen, verbreitet. Weder bei der Party am Samstag noch bei der angekündigten Aktion am Sonntag gaben sich einzelne, geschweige denn eine Gruppe "Patrioten" offen zu erkennen, worin sich bestätigt, dass diese nicht mehr als ein Internet-Phänomen sind.

Die Mobilisierungsfähigkeit von “Neumünster wehrt sich” war ebenfalls sehr begrenzt und diesmal auf den Kern der üblichen Verdächtigen zusammengeschrumpft, die entsprechende Veranstaltung auf Facebook hatte nur  ca. 30-35 Zusagen, die letzten zwei Male lag diese im dreistelligen Bereich, bei ca. 80-100 realen TeilnehmerInnen. Durch die kurzfristige Absage bzw. das gar nicht erst Erscheinen haben die beiden Facebook-Gruppen “Neumünster wehrt sich” und "Kieler Patrioten für Freiheit und Sicherheit" jeweils stark an Glaubwürdigkeit verloren; sie konnten trotz großspuriger Ankündigungen ihre Web-Hetze nicht auf die Straße übersetzen.

Insgesamt waren an diesem Tag in Kiel und Neumünster vereinzelte Nazis unterwegs, es fanden jedoch weder die ursprünglich angekündigten rassistischen Demonstrationen, noch entsprechende Ersatzveranstaltungen statt.

 

tl_files/kiel_antifa/pics/turnleftsmashright/Noalfa.jpg

 

Erfreulich war die hohe Resonanz auf unsere Mobilisierung gegen den angekündigten Naziaufmarsch von “Neumünster wehrt sich”: Trotz der Absage am Vorabend sind über 200 Antifas aus Kiel, Flensburg, Lübeck, Hamburg und anderen Orten in organisierten Zuganreisen nahezu zeitgleich in Neumünster eingetroffen und haben sich kurzerhand der Kundgebung des Bündnis gegen Rechts mit zu dem Zeitpunkt ca. 300 Teilnehmer_innen angeschlossen. Auch der Info-Ticker auf twitter und der Ermittlungsausschuss arbeiteten wie geplant. Im Zuge der diesmaligen Mobilisierung veröffentlichten antifaschistische Gruppen Recherche-Berichte im Vorfeld des 28.2. und zogen die virtuellen HetzerInnen damit ins Licht der Öffentlichkeit. 500 Nazigegner_innen bei einem abgesagten Aufmarsch lässt uns für die Zukunft optimistisch auf die wahrscheinlich leider kommenden erneuten Versuche von RassistInnen in Schleswig-Holstein aufzumarschieren, blicken. Auch die nach wie vor in Schleswig-Holstein vorkommenden Anschläge auf Unterkünfte für Geflüchtete müssen als das ernst genommen werden was sie sind: Eine Bedrohung für Gesundheit und Leben von vor Krieg und Unterdrückung geflüchteten Menschen durch deutsche “Bürger”, angestachelt durch den weit bis in die so genannte politische “Mitte” reichenden Rassismus und Nationalismus in dieser Gesellschaft. Dem gilt es sich auch weiterhin mit Wort und Tat überall entgegenzustellen!

Autonome Antifa-Koordination Kiel

Fotos:
https://www.flickr.com/photos/98466105@N06/sets/72157665061477091

Presse:
http://www.kn-online.de/News/Nachrichten-aus-Neumuenster/Demos-Rechte-Szene-sagt-ab-Gegendemo-in-Neumuenster

http://www.kn-online.de/News/Nachrichten-aus-Kiel/Alter-Markt-Wird-Demo-nach-Kiel-verlegt

http://www.shz.de/lokales/holsteinischer-courier/video-das-war-die-demo-gegen-rechts-in-neumuenster-id12863031.html

http://www.shz.de/regionales/polizeiticker/neumunster-kiel-demonstrationsgeschehen-in-neumuenster-id12863936.html

Zurück