+++ Polizei setzt spontanen Naziaufmarsch in der Kieler Innenstadt durch +++ Über 100 Antifaschist/-innen beteiligen sich an kurzfristigen Protest- und Störaktionen +++
Am heutigen Dienstag, 07. April 2009 führten etwa 25 Neonazis der
"Aktionsgruppe Kiel" und der NPD zwischen 19 und 20.30 Uhr einen
kurzfristig angemeldeten Aufmarsch in der Kieler Innenstadt durch.
Ermöglicht wurde ihnen dies durch ein massives Polizeiaufgebot, das
ihnen den Marsch vom Kieler Hauptbahnhof zum Asmus-Bremer-Platz und
wieder zurück sicherte.
Bereits
kurz nachdem sich die Neonazis am Hauptbahnhof gesammelt hatten, trafen
die ersten spontan mobilisierten Antifaschist/-innen im gesamten
Innenstadtbereich ein. Insgesamt haben über den Abend weit über 100
Menschen an spontanen Gegenaktivitäten teilgenommen: Lautstark und mit
Transparenten wurde am Rande der Route Abneigung gegen die Neonazis
demonstriert, es kam außerdem zu kleinen Material- und Sitzblockaden.
Die
Polizei schirmte den gesamten Aufmarsch ab und ging mit äußerster
Brutalität gegen protestierende Antifaschist/-innen vor.
Teilnehmer/-innen einer Sitzblockade an der Bushaltestelle Hauptbahnhof
wurden verprügelt, ein Journalist wurde mit Schlägen an seiner Arbeit
gehindert und immer wieder fielen vor allem Polizist/-innen der Eutiner
BFE-Einheiten durch Gewaltandrohungen und -anwendungen gegen
Antifaschist/-innen auf. Es kam dabei zu mindestens einer brutalen
Ingewahrsamnahme. Nachdem die Nazis ihren kurzen Aufmarsch beendet
hatten, durften diese den Ort des Geschehens durch den Hauptbahnhof
verlassen und ohne Polizeibegleitung Richtung Arbeitsamt abziehen,
während Antifaschist/-innen von der Polizei am Hauptbahnhof
festgehalten wurden. Dort versuchten die Nazis von der Gablenzbrücke
aus mit Steinen Passant/-innen anzugreifen, waren jedoch schnell
verunsichert, als sie auf einige Antifaschist/-innen trafen und
flüchteten in einen Linienbus.
Bereits in der Nacht in den 7.
April wurde ein junger Mann in seiner Wohnung im Kieler Norden von drei
Neonazis überfallen. Sie verschafften sich gewaltsam Eintritt in die
Wohnung und verwüsteten diese. Zwei der beteiligten Neonazis wurden
noch vor Ort festgenommen.
Der heutige spontane Naziaufmarsch
und der widerliche Überfall in der Wik sind weiterer Höhepunkt des sich
seit Monaten zuspitzenden Kieler Naziproblems. In der Innenstadt hat
sich heute wiedermal gezeigt, wem das Häufchen Nazis dies in weiten
Teilen zu verdanken hat: Einer Kieler Polizei, die gewillt ist, die
Naziaktionen mit allen Mitteln gegen antifaschistischen Widerstand
durchzusetzen. Dass sich binnen kürzester Zeit über 100
Antifaschist-/innen umgehend in der City zusammengefunden haben und der
Naziaufmarsch nicht ungestört stattfinden konnte, ist als Erfolg zu
werten.
Bereits in den vergangenen Monaten häuften sich
Neonaziaktionen in Kiel: Oft mehrmals pro Woche verteilen diese
faschistische Flugblätter und bedrohen Menschen in der Innenstadt und
im gesamten Stadtgebiet, bereits Anfang Februar gingen Scheiben
alternativer und linker Einrichtungen zu Bruch. Antifaschist/-innen
reagierten mit Kundgebungen und Demonstrationen, während die Kieler
Polizei das Bild eines vermeintlich unpolitischen "Bandenkrieges" zu
zeichnen versucht und weite Teile der Kieler Öffentlichkeit sich
bisher kaum zu Wort meldeten. Dies muss sich ändern: Es wird
allerhöchste Zeit, dass sich in Kiel endlich breiter antifaschistischer
Gegenwind gegen die permanenten Naziaktivitäten entwickelt.
Spontaner Naziaufmarsch in Kiel behindert
07.04.09



