Kundgebung „Gegen die elitäre rechte Propaganda der „Alemannia-Königsberg“ vorgehen!“ Pt. I

Datum/Zeit
13.12.19
18:30

Veranstaltungsort
AKB-Haus


Burschis in Bewegung? Gegen die elitäre rechte Propaganda der „Alemannia-Königsberg“ vorgehen!

Unterstützer*innen (Stand 1.12.2019): AStA Uni Kiel | Autonome Antifa-Koordination Kiel | Aufruf unterzeichnen: antifa-kiel{at]riseup.net

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Die Kieler Rechtsaußen-Burschis der „Alten Königsberger Burschenschaft Alemannia“(AKB), als einzige in Kiel immer noch Mitglied im extrem rechten bzw. offen neonazistischen Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ (DB), waren in den letzten ein, zwei Jahren mehr mit organisatorischen Fragen denn offensichtlicher Propaganda beschäftigt. Seit einiger Zeit treten sie auch wieder vermehrt öffentlich in Erscheinung und wollen zum Jahreswechsel mit einer Vortragsreihe auf ihrer Hütte an der Kiellinie 92 erneut ihr neu-rechtes Profil schärfen. Dies werden wir auf gar keinen Fall widerstands- und widerspruchslos hinnehmen und ihnen zeigen, dass sie bei solchen Aktionen mit eisigem antifaschistischen Gegenwind zu rechnen haben!

Rechte Polemik …

Am 13.12.2019 soll dort zunächst Uta Ogilvie zum Thema „Die Europäische Union aus libertärer Sicht“ referieren. Bekannt geworden ist sie als Initiatorin der Hamburger „Merkel muss weg!“-Neonaziaufmärsche, nach antifaschistischer Initiative ist jetzt als rechte Netzaktivistin unterwegs und tritt als Rednerin in AfD-Kreisen auf. Ogilvie versucht stets sich als nicht nicht-rechts darzustellen, sie ordnet sich vielmehr als „libertär“ ein. Dass es im Libertarismus auch eine durchaus lebendige rechte Strömung gibt, und sich die beiden Begriffe nicht grundsätzlich gegenseitig ausschließen, entlarvt diese Wortklauberei als bloße Verschleierungstaktik.

Online und in Vorträgen propagiert sie vorrangig ein patriarchales Geschlechterbild und positioniert sich gegen Feminismus. Dieser sei ein gefährlicher gruppenbezogener Kollektivismus, den sie in die Nähe von Nazis rückt. Frauen* seien in der Politik nur von Nöten, weil die Männer vom Feminismus so geschwächt seien. Auch bei der Hetze gegen Gender Mainstreaming vertritt sie klassische rechte Positionen. Ihre reaktionäre Weltanschauung hat jedoch noch mehr zu bieten: der Antisemitismus der Nazis beispielsweise sei laut Ogilvie bisher falsch verstanden worden. Dieser sei eigentlich ein gruppenbezogenen Antikapitalismus gewesen. Diese Uminterpretation des völkischen Rassenwahns ist nichts anderes als eine Relativierung des deutschen, eliminatorischen Antisemitismus.

Ogilvies Wertemaßstab ist des weiteren zutiefst sozialchauvinistisch: nur wer Mehrwert erbringt, sei es wert, vom Staat beachtet zu werden. In Bezug auf Geflüchtete kommt ihr Rassismus zum Ausdruck: Diese brächten „Unfrieden und Unfreiheit“, was „religionsbedingt“ sei. Als Dirk Hesse (Bundesgeneralsekretär der Querfront-Kleinstpartei „Partei der Vernunft“), einem weiteren Vertreter dieses kruden Libertarismus, in einem ihrer Interviews die Rettung Geflüchteter als Tatbestand der Nötigung bezeichnet und die waghalsige These aufstellt, die Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete habe in Wahrheit Polizeischutz in Italien gesucht, da sie an Bord von Geflüchteten bedroht worden sei, stimmt Ogilvie all dem zu und teilt sein Weltbild.

Ogilvies Konzeption von Libertarismus verzichtet zwar vorgeblich auf platten Nationalismus, ist aber durchsetzt von anti-feministischer Ideologie, sozialchauvinistischem Individualismus, NS-Relativierung und Rassismus insbesondere gegen Geflüchtete. Sie ist damit keineswegs eine originelle Querdenkerin, sondern entspricht dem Mainstream des andauernden diskursiven Rechtsrucks. All dies wird auch Teil ihrer Einordnung von Europa sein, die sie im Burschenhaus vornehmen will.

… und polemische Rechte

Als weiteren Redner hat die „Alemannia-Königsberg“ zudem den Vorsitzenden der schleswig-holsteinischen AfD-Landtagsfraktion Jörg Nobis auf ihr Haus geladen. Dieser soll am 10.01.2020 einen Vortrag zum Thema „Seenotrettung – oder Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Verletzung des Seerechts?“ beisteuern.

Nobis bezeichnet sich selbst als „Luckist“ und steht für einen national-konservativen Kapitalismus. Diese Grundhaltung ergänzt er immer wieder durch seine strikte Ablehnung von Migration. Er spricht sich im NPD- oder IB-Jargon für eine menschenverachtende „Zurückführung“ von Geflüchteten aus. Nobis ist Anhänger der menschenverachtende australischen Abschottungs- und Rückführungspolitik, bei der Geflüchtete gezwungen werden, mittels gestellten Booten wieder zurück zu reisen. Dieser Versuch, Rassismus und Abschottung einen humanistischen Anstrich zu geben, endet in der Realität nicht weniger oft tödlich.

Nobis betreibt zudem die Verkehrung, dass nicht die Festung Europa und ihre Verwalter*innen, sondern Seenotretter*innen und die Forderung nach offenen Grenzen die Verantwortung für das Massensterben im Mittelmeer trügen. Sein Weg, abermals ganz auf Linie der IB, besteht in Forderungen nach der Abschottung Europas und der weiteren Kriminalisierung von Seenotrettung, die er als geplante, quasi militärische Operation darstellt. Diese Bild erzeugt er bewusst und liefert damit Futter für die rassistische Verschwörungstheorie vom großen Bevölkerungsaustauschs. Er steht damit beispielhaft für das Grundverständnis der AfD, dass Flucht und Migration eine Bedrohung des „deutschen Volkes“ sei.

Dass es nicht freundliche Einladungen aus Europa sind, die unzählige Menschen dazu bewegen, ihre Heimat hinter sich zu lassen, sondern maßgeblich von Europa aus gestaltete und von europäischen Institutionen und Regierungen mitverursachte Fluchtursachen wie Krieg, Armut, Hunger und Umweltzerstörung entpuppt diese Strategie als zynische Illusion.

Die „Alemannia-Königsberg“ und der rechte Sumpf

Eingeladen hat die beiden Hetzer der rechte Trachtenverein „Alte Königsberger Burschenschaft Alemannia“ (AKB). Als pflichtschlagender Männerbund stehen die Burschen der „Alemannia-Königsberg“ für den strikten Ausschluss von Frauen. Die wenigen Anlässe, zu denen auch Frauen erwünscht sind, beschränken sich auf Anlässe der gesellschaftlichen Repräsentation. Frauen werden zu Statussymbolen oder Sexualobjekten reduziert. Als Gegenstück wird das Bild eines heroischen Mannes mit skurrilen Fechtritualen zelebriert. Sie pflegen ein nationalistisches Weltbild und nennen sich stolz Patrioten. Ihr Ziel ist der Fortbestand einer weißen, männlichen, bourgeoisen Elite

Aufgefallen ist das burschenschaftliche Umfeld in letzter Zeit vor allem durch rechte Propaganda. Im Stadtbild tauchten wiederholt Flyer der neofaschistischen „Identitären Bewegung“ (IB) auf, parallel dazu wurden auch welche der AKB verteilt. Die politische Verstrickung von AKB-Burschen wie Kevin Dorow, Lars Volkheimer und Teja Teufel in der extremen Rechten und dem tiefbraunen Sumpf einer neonazistischen Mischszene aus AfD, PI-News und IB ist bekannt. Die IB, bundesweit gut vernetzt und personell eng verbunden mit der AfD und Burschenschaften, streben den Aufbau einer Hegemonie im vorpolitischen Raum an. Es geht ihnen zunächst weniger um Parteipolitik, sondern darum, den gesellschaftlichen Konsens nach rechts zu verschieben und rechte Positionen salonfähig zu machen. Sie versuchen sich an einer Intellektualisierung rechter Diskurse, ihre Ideologie arbeitet sprachlich verdeckter. Zentral ist u.a. der Begriff des Ethnopluralismus, der in der Rassismusforschung als „Rassismus ohne Rassen“ charakterisiert wird, da in ihm der Begriff „Rasse“ einfach durch „Kultur“ ersetzt wird.

Die IB halluziniert sich in einen Kampf der Kulturen, in dem Europa seine Identität gegen eine angenommene „islamische“ Invasion verteidigen muss. Das verdeckte politische Ziel der Politik von Regierungsparteien sei ein „Austausch der Bevölkerung“ durch Migration. Spätestens an diesem Punkt entlarvt sich die vermeintlich neue Ideologie der IB als auf der nationalsozialistischen Blut-und Boden-Ideologie fundierend.

Auch bei ihr ist Antifeminismus ist ein zentraler Baustein. Dem Bild des heroisch-kämpfenden männlichen Aktivisten, das sich auch bei den Burschenschaften finden lässt, wird ein rechtes, reaktionäres Frauen*bild der Mutter gegenübergestellt.

„Wir hassen alle Neonazis, da wird uns richtig schlecht. All die elitären Patrioten aus der Oberschicht.“

Die geplanten Vorträge der AKB fügen sich genau in das Schema der Neuen Rechten: Unter anderem Namen und vermeintlich intellektuell werden die üblichen rechten Motive und Weltbilder mal mehr und mal weniger verdeckt bedient. Das macht es nicht minder gefährlich – im Gegenteil. Das die von der Neuen Rechten fokussierte Hegemonieverschiebung nach rechts in vollem Gange ist, zeigen der permanente rassistische Diskurs und die Wahlergebnisse der AfD genauso wie die alltägliche neo-faschistische Gewalt in Deutschland. Die Burschenschaften sind Keimzellen dieser Entwicklungen. In Kiel ging in den letzten Jahren vergleichsweise wenig Initiative vom rechten Burschenmilieu aus. Lasst uns dafür sorgen, dass es so bleibt! Zeigen wir den überheblichen Elite-Fascho-Boys ihre Grenzen auf, kommt zu den antifaschistischen Kundgebungen vor dem Haus der „Alemannia-Königsberg“ in Düsternbrook!

Burschis aus der Deckung holen – rechte, anti-feministische und rassistische Strukturen offen legen!

Elitäre Männerbünde zerschlagen – „Alemannia Königsberg“ halt’s Maul!

Antifaschistische Kundgebungen:

Freitag, 13.12.2019 | 18:30 Uhr AKB-Haus (Kiellinie 92) | Kiel

Freitag, 10.01.2020 | 18:30 Uhr AKB-Haus (Kiellinie 92) | Kiel

www.antifa-kiel.org