Wir rufen auf zur antifaschistischen Demonstration in Solidarität mit
der Alten Meierei. Wenn Ihr den Aufruf unterzeichnen und/oder die
Demonstration unterstützen wollt meldet euch unter antifa-kiel[at]riseup.net !
Aktuelle Infos
>> Weitere Aufrufe zur Demo
>> Solidaritäts-Erklärungen
>> Mobilisierungsmaterial
>>
Pressemitteilungen
>>
Interview mit AntifaInfo (FSK Hamburg) zur Demo (ZShare)
>> EA Nummer: 0431 / 530 388 5
Der
Ermittlungsausschuss wir den ganzen Tag über zu erreichen sein.
>>
Infoveranstaltung:
Wenn noch drängende Frage offen sein sollten, könnt Ihr diese im Antifa-Café Kiel (Do., 11.3. 19 Uhr Alte Meierei)stellen. Dort werden wir in komprimierter Form die wichtigsten Informationen zur Demo vortragen und stehen für Nachfragen zur Verfügung.
>> Gemeinsame Anreise aus anderen Städten:
Flensburg: 12:45 Uhr, Bahnhof (Der Zug ist übrigens 13:43 Uhr in Eckernförde)
Hamburg: 11.45 Uhr, Hauptbahnhof, Reisezentrum (Abfahrt: 12.20 Gleis 7a)
>> Mittlerweile wird der Aufruf bzw. die Demo von einem breiten Spektrum von über 80 Gruppen, Initiativen, Projekten etc. vor allem aus Kiel und Schleswig-Holstein, aber sogar auch international, unterstützt.
Desweiteren wurden bisher zwei ergänzende Aufrufe sowie einige Solidaritätserklärungen veröffentlicht. Die Demo ist damit schon jetzt auf eine erfreulich große Resonanz gestoßen.
YOU'LL
NEVER WALK ALONE!
Solidarität
mit der Alten Meierei und allen Betroffenen faschistischer Gewalt!
Nazistrukturen
in Kiel und andernorts zerschlagen - linke Gegenkultur stärken!
Demonstration
| 13.3.2010 | 14 Uhr | Bahnhofsvorplatz | Kiel
In
der Nacht zum 20. Januar 2010 wurde das linke Kultur- und Wohnprojekt
Alte Meierei in Kiel mit scharfer Munition beschossen. Mindestens
zwei Schüsse wurden auf ein beleuchtetes Fenster des Wohnbereichs
abgefeuert. Die Projektile durchschlugen das Fenster und trafen die
Decke des Zimmers. Eine Person, die sich zeitgleich in dem Raum
aufhielt blieb glücklicherweise unverletzt.
Was
es bedeutet, wenn auf die Alte Meierei geschossen wird; welche
Entwicklung von Angriffen auf linke und alternative Projekte in Kiel
den Schüssen voraus ging; welche Faktoren in der Stadt und im
politischen Mainstream diese Entwicklung begünstigt haben; warum wir
trotz unbekannt gebliebener TäterInnen kaum Zweifel daran haben,
dass die Urheberschaft in der Neonaziszene zu suchen ist und warum
wir dazu aufrufen, sich offensiv solidarisch mit den NutzerInnen und
BewohnerInnen der Alten Meierei sowie allen Betroffenen von
faschistischer Gewalt zu erklären, wollen wir an dieser Stelle zum
Thema machen.
Die
Alte Meierei: Lokales Hassobjekt emanzipationsfeindlicher Unsympathen
Dass
die Alte Meierei Ziel von Angriffen wird, ist nichts neues. Die Alte
Meierei, aus den Kämpfen der HausbesetzerInnenbewegung der 1980er
hervorgegangen, steht seit mittlerweile 26 Jahren für den Versuch,
Gegenkonzepte zur herrschenden Gesellschaftsordnung zu entwickeln:
Dies tut sie, indem sie institutionalisierten Hierarchien das Prinzip
der Autonomie und der Selbstverwaltung entgegensetzt und den Anspruch
hat, alltägliche Unterdrückung und Ausgrenzung mit einem Klima der
Solidarität unter den NutzerInnen einzudämmen. Darüber hinaus ist
die Meierei Infrastruktur sowie ein Ausgangsort
außerparlamentarischer linker Politik in Kiel. In ihren
Räumlichkeiten treffen und vernetzen sich politische AktivistInnen,
hier haben unkonventionelle Subkulturen ein zu Hause und es finden
Veranstaltungen statt, die die großen und kleinen Unerträglichkeiten
bürgerlich-kapitalistischer Verhältnisse zum Thema machen.
Mit
diesem Selbstverständnis findet die Meierei nicht nur viele
FreundInnen in der Landeshauptstadt und kann sich auf ein relativ
großes Umfeld von NutzerInnen und UnterstützerInnen stützen,
sondern ist auch immer wieder Versuchen ausgesetzt, ihre lebendige
und von der Norm abweichende Kultur zu zerstören. Diese kamen
einerseits von ordnungsfanatischen städtischen Behörden und
reaktionären Regierungen im Rathaus der Stadt Kiel. Ihr Höhepunkt
war ein unter dem Vorwand von Brandschutzforderungen durch die
damalige schwarz-grüne Koalition verhängtes, fast einjähriges
Veranstaltungsverbot in den Jahren 2005/06, welches erst durch eine
groß angelegte Solidaritätskampagne abgewehrt werden konnte.
Andererseits ist die Alte Meierei seit ihrer Existenz auch immer
wieder mit ganz direkten, offen gewalttätigen Angriffen
konfrontiert, die auf das Konto von Neonazis gehen. Diese verachten
nicht zuletzt deshalb die Meierei, weil sie wissen, dass sie
wichtiger Teil und Symbol der antifaschistischen Bewegung Kiels ist,
welche seit Jahren dafür sorgt, dass die Versuche der Nazis in der
Stadt Fuß zu fassen mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden sind.
Seien
es sich vor der Alten Meierei zusammen rottende Nazihorden Anfang der
1990er, seien es eingeschlagene Scheiben 2005, seien es der
glücklicherweise nicht gezündete Brandsatz, Combat18 -Parolen und
Aufmarschversuche gegen die Wiedereröffnung 2006 oder der Überfall
auf vermeintliche BesucherInnen einer Antifa-Party im vergangenen
Jahr: Den Schüssen vom 20.1. gingen eine Vielzahl Versuche von
Neonazis voraus, die BewohnerInnen und NutzerInnen der Alten Meierei
einzuschüchtern, zu bedrohen und zu gefährden, mit dem Ziel, deren
offen nach außen getragenes antifaschistisches und linkes
Selbstverständnis zu bekämpfen.
Wir
sehen die Schüsse in diesem Zusammenhang in Anbetracht der
Inkaufnahme der unmittelbaren Tötung von Menschen als eine andere,
weitere Stufe der Eskalation von Angriffen auf die Alte Meierei.
Die
Schüsse im Kontext der jüngsten Entwicklung Kieler Nazistrukturen
Die
Angriffe auf die Alte Meierei stehen stellvertretend für eine
Realität, mit der letztlich alle Projekte, die sich offen zu linker
Politik, einer antifaschistischen Grundhaltung oder einem
alternativen Lebensstil bekennen, konfrontiert sind.
Diese
Realität wurde gerade auch in der Entwicklung der Kieler
Neonaziszene, vor allem in den letzten zwei Jahren, immer wieder
sichtbar. Im Fahrwasser des bundesweiten Trends der „Autonomen
Nationalisten“ entstand hier aus langjährigen Nazikadern und
jüngeren Nachwuchsnazis die sogenannte „Aktionsgruppe Kiel“,
welche die kurzzeitige Dominanz einer sich eher spießbürgerlich
gebenden NPD bei den Kieler Neonazis aufbrach.
Die
„AG Kiel“ knüpft seit ihrer Gründung Anfang 2008 mit ihrem
Habitus, ihrem offenen Bekenntnis zum historischen
Nationalsozialismus und personellen Kontinuitäten an die Ausrichtung
der hiesigen Naziszene um die Jahrtausendwende an. Sie machte seither
vor allem durch Angriffe auf linke und alternative Projekte und
Personen auf sich aufmerksam, eine Vielzahl eingeschlagener Scheiben
und mehrere körperliche Angriffe auf vermeintliche oder tatsächliche
NazigegnerInnen gehen auf ihr Konto. Aber auch Propagandaaktionen und
Wahlunterstützung für die NPD, zu der durchgehend gute Kontakte und
personelle Überschneidungen bestehen, gehören zum Programm der „AG
Kiel“. (vgl. hierzu:
www.antifa-kiel.org/index.php/chronologie.html) Doch nicht nur in
Kiel sondern auch in anderen Teilen Schleswig-Holsteins kam es zu
ähnlichen Entwicklungen, welche sich z.B. durch eine Vielzahl von
Naziattacken in Neumünster oder durch den Brandanschlag auf das
linke Zentrum T-Stube in Rendsburg im Juni '09 zeigten.
Die
Schüsse auf die Alte Meierei sind im Kontext dieser Abfolge von
Naziaktivitäten zu sehen - sie sind nicht vom heiteren Himmel
gefallen. Dass Neonazis immer wieder durch den Gebrauch von
Schusswaffen und Morden an ihren GegnerInnen und Menschen, die nicht
in ihr Weltbild passen, auffallen, ist weder in der BRD noch anderswo
etwas Neues. Es ist nicht überraschend, dass auch die lokale
Neonaziszene Zugang zu Schusswaffen hat: Nachweisliche Verwicklungen
von schleswig-holsteinischen Neonazis, die teils in Verbindung zur
Kieler Naziszene stehen, in den Waffenhandel sind bekannt. Und nicht
zuletzt zielt die nationalsozialistische Ideologie programmatisch auf
die rassistisch und antisemitisch motivierte Vernichtung und der
gewaltsamen Unterdrückung von Menschen ab.
Was
neu ist an den Schüssen auf die Alte Meierei, ist die Tatsache, dass
diese im Kiel des 21. Jahrhunderts nicht mehr nur theoretische
Möglichkeit, sondern Tatsache geworden sind. Es ist von daher
wichtig zu überprüfen, welche Faktoren eine solche Entwicklung
begünstigt haben und wie man ihr entgegen wirken kann.
KN
und Kieler Polizei: Kleinreden, Totschweigen, Denunzieren
Verfolgt
man die Kieler Neonaziaktivitäten der letzten Jahre regelmäßig,
fällt auf, dass ihr Umfang in keinem Verhältnis zur
Berichterstattung der lokalen Medien steht, deren weitgehendes
Monopol in der Landeshauptstadt die Kieler Nachrichten innehaben.
Hier ist von Naziübergriffen, wenn überhaupt und wider besseren
Wissens nur in Randnotizen zu lesen – von Naziaktionen, die nichts
mit spektakulären gewalttätigen Übergriffen oder
Auseinandersetzungen zu tun haben, ganz zu Schweigen. Ausnahmen sind
Fälle, in denen diese nach aufwendigen antifaschistischen
Öffentlichkeitskampagnen nicht länger unter den Teppich gekehrt
werden können oder wenn nach KN-Gesichtspunkten vermeintlich
Unbeteiligte Opfer von Nazis wurden.
Wenn
AntifaschistInnen versuchen, das Verteilen rassistischer Flugblätter
zu stören, lassen in den KN „Extremisten [...] die Fäuste
fliegen“ (KN, 2.2.09). Wenn Neonazis öffentlich antisemitische
Hetze verbreiten, ist im KN-Sprech in kaum zu überbietender
Verharmlosung von einer „der rechten Szene nahestehenden
Organisation“, von "Nationalen Sozialisten in deiner
Stadt", die „einen kritischen Umgang mit dem Nahostkonflikt“
fordern die Rede (KN, 10.3.09). Verhindern viele AntifaschistInnen,
dass Neonazis ausgerechnet am 8. Mai in der Innenstadt mit einem
geschichtsrevisionistischen Propagandatisch die durch die Alliierten
herbeigeführte Befreiung Europas von dem Terror des deutschen
Faschismus betrauern können, schreiben die KN von einem „Infostand
der Rechten“, „auf dem etliche Informationsblätter lagen“ weil
„vor 64 Jahren [...] am 8. Mai der Zweite Weltkrieg [endete]“,
auf den „Mitglieder des Runden Tisches gegen Rassismus und
Faschismus versuchten, mit Lautsprecherdurchsagen [...] aufmerksam zu
machen“ (!) (KN-online, 8.5.09). Wird wie am 18. April 2009 ein
Mensch aufgrund seines Erscheinungsbildes von Nazis ins Koma
geprügelt, ist dies den KN zwar einige Schlagzeilen wert, allerdings
ohne dies in aller Deutlichkeit als faschistische Gewalt zu benennen,
sondern geschehen „während gewalttätiger Auseinandersetzungen
zwischen extremen Linken und Rechten“ (KN-online, 18.4.09).
Die
Argumentationen der KN folgen stets dem gleichen Muster:
„Extremisten“ tragen ihre Privatfehde aus oder wahlweise werden
sogar „der Rechten nahe stehende kritische FlugblattverteilerInnen“
von „linken Störern“ bedroht, während die Polizei die Lage
immer schnell im Griff hat und die Leidtragenden entweder
„Unbeteiligte“ oder auch nur der Straßenverkehr sind (KN,
8.4.09). Dutzende kaputte Fensterscheiben in linken Projekten passen
nicht in dieses Schema und so erlaubt es die KN-Logik, dass auch
Kinderläden wie der in der betroffenen Hansastraße 48, schnell mal
Teil eines „unpolitischen Bandenkrieges“ werden.
Werden
die KN mit ihrer Berichterstattung konfrontiert, welche
Naziaktivitäten konsequent totschweigt oder verharmlost, verweist
sie in guter deutscher Obrigkeitshörigkeit auf Anweisungen der
Polizei, die Geschehnisse bewusst zu vertuschen, um diese
„unpolitischen Bandenkriege“ auf Kiels Straßen nicht weiter
anzuheizen. Diese Strategie der gezielten Entpolitisierung und
Verharmlosung von Naziaktivitäten ist in Kiel nichts neues und wird
von der lokalen Polizeiführung seit Jahren gefahren - und wird auch
dort nachfragenden PressevertreterInnen nahe gelegt. Während Medien
von außerhalb sich oft wenigstens ein Mindestmaß an kritischem
journalistischem Selbstverständnis bewahrt haben und die
Propagandamärchen der Polizei hinterfragen und eigenständige
Recherchen vornehmen, will man in Kiel, wenn es um Neonazis geht,
seinen guten Draht zur Polizei nicht riskieren, ruht sich aus im
unbedingten Glaube an staatliche Autoritäten und ist vor allem
ideologisch auf einer Linie. Dass die wenigen KN-Artikel zum Thema
dann gern mal den exakten Wortlaut der dazu gehörigen
Polizeimeldungen übernehmen, wundert da wenig. Dass den KN selbst
scharfe Schüsse auf die Alte Meierei nur einige Sätze wert sind,
genau so wenig.
„Lechts,
rinks – alles dasselbe!“ - Extremismusbegriff und bürgerliche
Ideologie
Die
zutiefst unseriöse Berichterstattung der KN bei den Themen
Neonazismus und Antifaschismus sowie Angriffen auf linke Projekte ist
allerdings kein Zufall oder gar eine Kieler Besonderheit. Hinter ihr
steht eine Ideologie, die politischer Mainstream ist und sich vom
Bundestag bis zum Stammtisch in die Mehrheitshirne eingebrannt hat:
Die sogenannte Extremismustheorie. Hierbei handelt sich es um eine
vom „wissenschaftlichen“ Flügel des Verfassungsschutzes voran
getriebene intellektuelle Tiefstleistung, die die Gesellschaft in
eine so genannte politische Mitte und „extremistische“ Ränder
aufteilt und alles, was sich gegen die bestehende
Gesellschaftsordnung richtet oder dafür gehalten wird, gleichsetzt
und bekämpfen will. Dabei sollte es selbst aus einer rein
wissenschaftlichen Perspektive schon stark verwundern, dass ein
Geheimdienst überhaupt so etwas wie politikwissenschaftliche
Forschung betreibt und damit Einfluss auf die öffentliche Meinung
nimmt. Der Extremismusbegriff ist in der Tat allein vom
Verfassungsschutz und einigen seiner offiziellen und inoffiziellen
Mitarbeiter in die Debatte eingeführt worden. Zusammen mit einigen
anderen PolitikwissenschaftlerInnen begründeten sie eine neue Sparte
der Politikwissenschaft – die Extremismusforschung.
Dieser
ist es egal, warum oder zu welchen Gunsten das Bestehende abgelehnt
wird: Ob an die Stelle der bürgerlich-kapitalistischen Grundordnung
ein faschistisches Mördersystem, ein reaktionärer Gottesstaat oder
eine Gesellschaft frei von Ausbeutung und Unterdrückung gesetzt
werden soll, ist der Extremismustheorie einerlei. Sie hält das
Bestehende für das einzig nicht-“extremistische“ und kann sich
trotz weltweitem Kriegszustand, Armut, Hunger, Krisen,
Umweltzerstörung und allgemeiner gesellschaftlicher Verwahrlosung
nicht vorzustellen, dass es etwas besseres geben könnte. Mit solch
einer Logik ist die Extremismustheorie zwar alles andere als rational
und zu keiner wertvollen Erkenntnis zu gebrauchen, aber eignet sich
hervorragend zur Betonierung gesellschaftlicher
Herrschaftsverhältnisse und zur Abwehr jeglicher Kritik. Das
Bestehende wird zum ideologischen Dogma und alles andere zum äußeren
Feind: Ob jemand dabei für die Versklavung und Vernichtung von
Menschen oder für deren Gleichheit und Freiheit einsteht – der
Extremismusbegriff verschleiert politische und gesellschaftliche
Zielsetzungen, erklärt nichts und nutzt ausschließlich dem
Fortbestand des herrschenden bürgerlich-kapitalistischen Systems.
Darüber hinaus dient die Gleichmacherei von „Links“ und „Rechts“
dazu, den ideologischen und historisch belegten Zusammenhang zwischen
bürgerlicher Gesellschaft und faschistischer Herrschaft und Bewegung
unsichtbar zu machen und sie war und ist in der postfaschistischen
BRD ein beliebtes Mittel zur Abwehr und Verschweigung deutscher
Schuld an der Shoa und dem nationalsozialistischen Vernichtungskrieg.
Dass
die Extremismustheorie vor allem in Deutschland offene Türen
einrennt, wo die Feindschaft gegenüber allem Linken von Bismarcks
Sozialistengesetzen über den deutschnationalen und
nationalsozialistischen Antikommunismus und die konservative
Interpretation der Totalitarismustheorie bis heute eine lange
Tradition hat, ist nicht verwunderlich. Der bürgerliche Wunsch nach
Ruhe und Ordnung statt nach Austragung gesellschaftlicher Konflikte
und der Reflexion gesellschaftlicher Verhältnisse ist fest in der
nationalen Identität verankert.
Gerade
aktuell wird versucht, die Extremismustheorie nicht nur als Ideologie
weiter zu verfestigen, sondern auch verstärkt praktisch in die Tat
umzusetzen: In der derzeitigen Diskussion der Bundesregierung
Anti-Rechts-Programme in Anti-“Extremismus“-Programme
umzuwandeln; in Politik und bürgerlichen Medien, wenn im
Zusammenhang mit brennenden Autos in Berlin gegen „linke
Hassbrenner“ und „rotlackierte Faschisten“ gehetzt wird; wenn
über die Zunahme von Gewalt gegen PolizistInnen geschwafelt wird
oder wenn antifaschistische Großmobilisierungen (wie gegen den
Nazigroßaufmarsch in Dresden) kriminalisiert werden - all dies
geschieht unter Bezugnahme auf die Extremismuskeule.
Dieser
armseligen Logik folgt natürlich auch eine KN-Berichterstattung, die
Nazis mit AntifaschistInnen gleich setzt und ausgerechnet die Polizei
für die einzig glaubhafte Instanz hält. Diese „antiextremistische“
Logik, welche politische Zusammenhänge von Auseinandersetzungen
zwischen AntifaschistInnen und Nazis nicht erkennen will und keinen
Begriff von deren Notwendigkeit hat, offenbart ihre fatalen Folgen
dann, wenn auf die Alte Meierei scharf geschossen wird, aber die
Stadt von keinem Aufschrei der Solidarität erfasst wird, die über
vergleichsweise kleine Kreise hinaus geht.
Unsere
Antwort: Solidarität, Gegeninformation, antifaschistische Praxis und
Gegenkultur
Wir
werden dieses institutionalisierte
Schweigen über die wiederkehrenden Angriffe auf linke und
alternative Projekte in Kiel auch weiterhin nicht hinnehmen. Wenn der
Großteil der städtischen Öffentlichkeit in ihrer
„antiextremistischen“ Verblendung keine Notwendigkeit darin
sieht, die Bedrohung durch bewaffnete Nazis und die Angriffe zu
thematisieren, müssen einmal mehr alle Menschen, für die dies eine
politische Selbstverständlichkeit ist, dafür sorgen, dass die
aktuelle Notwendigkeit dieses Kampfes in den Köpfen der hier
Lebenden ankommt.
Wenn
die „extremistische Mitte“ den Betroffenen von Nazigewalt selbst
mit einem ignoranten Achselzucken die Schuld für faschistische
Übergriffe in die Schuhe schieben will, weil sie die Nazis ja nicht
durch ihre antifaschistische Arbeit hätten provozieren müssen, weil
sie ja niemand zwingt, mit ihrer dunklen Hautfarbe hier zu leben oder
weil ihre Lebensform ja auch nicht ganz normal ist, werden wir uns
solidarisch mit ihnen erklären, denn gemeint sind alle, die nicht in
das beschränkte Nazi-Weltbild passen. Wir werden weiter Rassismus,
Antisemitismus und Nationalismus in all seinen Formen kritisieren und
angreifen. Dies ist nicht nur eine Notwendigkeit, die sich aus der
mörderischen deutschen Geschichte als Mindestkonsequenz ergibt,
sondern es ist eine Selbstverständlichkeit, die uns als Menschen,
die auch weiterhin die radikale Verwirklichung von Freiheit,
Gleichberechtigung und Solidarität unter allen Menschen zum
Ziel haben, antreibt. Wir werden Nazis auf der Straße und wo immer
sie auch sonst ihre Ideologie der Versklavung und des Massenmordes
verbreiten wollen, mit nötiger Härte entgegentreten, ihre
Strukturen offen legen und ihr menschenfeindliches Wirken verhindern
- solange, bis diese endgültig auf dem Müllhaufen der Geschichte
gelandet sind. Wir lassen und nicht von KN, Polizei und der Ideologie
der handlungsunwilligen „ExtremistInnen der Mitte“ denunzieren
und werden linke Politik verteidigen.
Wenn
auf die Alte Meierei geschossen wird, werden wir die Kultur für die
sie steht stärken, werden linke Zentren und alternative Lebensformen
vor Angriffen, von wem auch immer sie kommen, schützen und ihre
Infrastruktur nutzen und ausbauen. Wir werden weiter eine offensive
antifaschistische Gegenkultur leben - in der Alten Meierei und
überall sonst. Wir werden an all dem, dem die Schüsse auf die Alte
Meierei galten, festhalten und sehen uns genau deshalb in seiner
Wichtigkeit bestärkt!
Wir
sind nicht allein und machen weiter:
Mit
linken Zentren antifaschistisch in die Zukunft!
Kommt
zur Demonstration:
Samstag, 13.3.2010
14 Uhr | Bahnhofsvorplatz | Kiel
Am
Abend gibt es Essen und musikalisches Programm in der Alten Meierei
Den
Aufruf unterzeichnen (Stand 3.3.10):
Autonome
Antifa-Koordination Kiel |
NutzerInnenplenum der Alten Meierei |
Rote
Hilfe Ortsgruppe Kiel |
rebeltí@s musicales |
Destructioncrew |
black mosquito |
Antifaschistische Aktion
Lüneburg / Uelzen |
Buchladen ZAPATA |
Antifaschistisches Bündnis Dithmarschen |
Café Irie Soundsytem |
Free Mumia!-Plenum Kiel |
Basta! - Linke Jugend Lübeck |
Infoarchiv Norderstedt |
Rotten Sprotten Entertainment |
Entdinglichung |
InstitutA - anarchist social center Jakarta (Indonesia) |
FAU Kiel | Senffabrik Flensburg |
Conspiracy Concerts Flensburg | Antifaschistische Aktion Neumünster |
Ratsfraktion DIE LINKE Kiel |
Wilwarin Festival |
Archiv der sozialen Bewegungen Bremen |
Hönkeldruck |
Dremufuestias.de - Real Music for SH |
Obrint Pas (Valencia) |
Antifeixistes.org (Pais Valencia) |
KOP (Barcelona) |
Kieler Initiative für Tierbefreiung |
Soziales Zentrum Norderstedt |
BULG Hamburg |
AK Kritischer Studierender Kiel |
marlenehatesgermany |
BewohnerInnen der Alten Meierei |
Archivgruppe Kiel |
Libertärer Laden Gaarden | Li(e)ber Anders |
T-Stube Rendsburg |
Herman Schwartz - Gigolo Records, Kiel |
Antifaschistische Aktion Eckernförde [AAE] |
Punkrock St. Pauli | Katzensprung | Antifaschistische Jugend Kiel (ajk) | Smiley Faces (USP) |
Kollektiv der Buchhandlung im Schanzenviertel (Hamburg) |
ATTAC Kiel |
Antifa Café Kiel |
SDAJ Kiel |
(a²) - Hamburg |
Rote Flora Hamburg |
gruppe bricolage |
Infocafe Anna & Arthur Lüneburg |
Medienkollektiv Antifainfo NMS |
Kneipenkollektiv Subrosa |
Antifaschistische Aktion Rendsburg (aard) |
Desechos (Madrid) |
Antifaschistische Initiative Elmshorn (AIE) |
PG Globalisierung beim ver.di Bezirk Kiel/Plön |
SENG Hamburg |
Initiative Rock gegen Rechts (since 1978) |
Sare Antifaxista (Euskal Herria) |
Hansastrasse 48 e.V. |
Linke HSG Kiel |
Kneipenkollektiv Hansa48 |
Hafermarkt Flensburg |
Antifaschistische Initiative Kreis Pinneberg | Studierendenzusammenschluss zur Förderung kritischen Denkens an der FH-Kiel |
Club-Mestizo / Hafenklang, Hamburg |
Fraktion DIE LINKE im schleswig-holsteinischen Landtag |
DIE LINKE Schleswig-Holstein |
Linksjugend ('solid) Kiel |
Autonome Neuköllner Antifa (ANA) |
junge antifaschistische Initiative Lüneburg (j.a.I.L.) |
Overdrevet (København) | Bumzen-Kollektiv (København) |
Projekt Antifa (København) |
Antifascistisk Aktion (København) |
Kritikmaximierung Hamburg | Jugendantifa Eutin |
DIE LINKE. Rendsburg-Eckernförde |
DIE LINKE. Kiel |
FAU Flensburg |
Arbeitskreis Antifaschismus Buchholz (akab) |
AZ Mülheim | Rote Kogge Hansa Rostock
Zur
Demonstration rufen auf:
Jusos RD-Eck | Ratsfraktion Direkte Demokratie | Jusos Kiel
Außerdem mobilisieren verschiedene Kieler Hochschulgruppen sowie der Runde Tisch gegen Rassismus und Faschismus Kiel mit jeweils eigenen Aufrufen zur Demo.
www.antifa-kiel.org | www.altemeierei.de