Die zwei Typen
sind mir schon vor der Ansprache aufgefallen, da sie nach meiner
Wahrnehmung nicht in das Stadtbild des Viertels passten. Beide waren
sportlich gekleidet, in Jeans und schwarzem Poloshirt bzw. T-Shirt, um
die 30 Jahre alt und irgendwie zu glatt für diesen Stadtteil. Da sie
außerdem an einem Fahrzeug mit HH-Kennzeichen standen, war ich der
Annahme, dass sie mich nach dem Weg fragen wollten, als sie zielstrebig
auf mich zu kamen.
Umso
verdutzter war ich, als sie mich mit meinem vollen Namen ansprachen.
Nach der Beschwichtigung, ich solle mich nicht erschrecken, stellte
sich der Typ, der mich angesprochen hatte vertraulich als Karsten und
seinen Begleiter als Herrn Jonas (oder so ähnlich) vor. Er sagte, sie
seien vom Bundesinnenministerium, was mir schon reichte, um das
„Gespräch“ sofort durch eine abwehrende Handbewegung und ein „Nein“
meinerseits abzubrechen und meinen Weg fortzusetzen. Sie riefen mir
noch etwas wie: „Warum denn nicht?“ oder „Warum willst du denn nicht
mit uns sprechen?“ nach, worauf ich nicht weiter reagierte.
Direkt
danach habe ich Freund_innen und Genoss_innen über den Vorfall
informiert und Kontakt zur Roten Hilfe und einem Anwalt aufgenommen.
Ich
selbst bin seit Jahren in der linksradikalen Szene und der Kieler
Subkultur aktiv, arbeitete zu verschiedensten Projekten und bin auch
heute noch in einem Kollektiv tätig.
Kein Anquatschversuch
passiert spontan und unvorbereitet, sondern bedarf auch immer einer
gewissen Vorbereitung (evtl. Foto vom Einwohnermeldeamt, Observation,
Telefonüberwachung,...) und Logistik. Die so genannten Werber (egal ob
vom Bundesinnenministerium, von Landesämtern oder von polizeilichen
Behörden) haben immer den Überraschungseffekt auf ihrer Seite. Außerdem
stellt ein Anquatschversuch für den Angesprochenen immer eine
Ausnahmesituation dar. So war es auch bei mir: trotz einer
„theoretischen“ Vorbereitung innerhalb der Szene auf eine solche
Situation, wurde ich völlig überrumpelt. Deshalb ist die einzig
richtige Reaktion auf einen Anquatschversuch der sofortige Abbruch.
Mensch sollte nicht auf die Idee kommen, sich mit den auf solche
Situationen geschulten Staatlakaien zu messen.
Anquatschversuche
sollen die angesprochene Person, aber auch die linke Szene insgesamt
verunsichern und Misstrauen schüren. Sie dienen aber auch dazu
Informationsquellen zu gewinnen, die dann Freund_innen und Genoss_innen
aushorchen und verraten bzw. um Einschätzungen über politische
Zusammenhänge zu gewinnen. So fanden im vergangenen Jahr bereits zwei
weitere Ansprachen in Kiel statt.
Unser wichtigster Umgang mit
solchen Ansprachen muss es sein, diese öffentlich zu machen. Zum einen
um Misstrauen und Gerüchten innerhalb der linken Szene vorzubeugen, zum
anderen um das Ziel der geheimen Informationsbeschaffung für welche
Behörde auch immer so unattraktiv wie möglich zu machen.
Es kann jede und jeden von uns treffen.
Keine Zusammenarbeit mit Justiz, Bullen und Geheimdiensten.
Falls
euch ähnliches passiert, wendet euch an die Rote Hilfe
(www.rote-Hilfe.de) und besprecht den Vorfall mit Freund_innen und
Genoss_innen.
Siehe auch: Anquatschversuch wegen Antifa-Aktivitäten in Kiel
Erneuter Anquatschversuch in Kiel
25.08.09
Am 19. August wurde erneut eine Person aus Kiel vom Verfassungsschutz angequatscht. Wir dokumentieren die Veröffentlichung:
Am Mittwoch den 19. August um 10.40 wurde ich in Kiel-Gaarden, Ostring Ecke Preetzer Str. von zwei Männern, die sich als Mitarbeiter des Bundesinnenministeriums vorstellten, angesprochen. Ich gehe davon aus, dass es sich um Angehörige des Bundesamtes für Verfassungsschutz handelt.
Am Mittwoch den 19. August um 10.40 wurde ich in Kiel-Gaarden, Ostring Ecke Preetzer Str. von zwei Männern, die sich als Mitarbeiter des Bundesinnenministeriums vorstellten, angesprochen. Ich gehe davon aus, dass es sich um Angehörige des Bundesamtes für Verfassungsschutz handelt.





